Fragwürdige Gesetzgeber mit so grotesken Posten wie Minister für alles andere treten auf den Plan. Dieser und einiges weitere, nicht minder illustres Personal schrauben so lange mittels gefälschter Totenscheine, Erpressungen und zweifelhafter Liebesschwüre am Geschehen herum, bis sich zwei Paare glücklich finden und schlussendlich alles gut ausgeht.
Gilbert und Sullivan kleiden ihr fremdartiges Anderswo in vielfältige sprachliche und musikalische Fernostzitate, in denen sie ihren schwarzen Humor à la Monty Python genussvoll ausspielen.
Vor 125 Jahren, am 15. Oktober 1886, nur ein Jahr nach seiner Uraufführung, stand Der Mikado oder Die Stadt Titipu bereits als Münchner Erstaufführung auf dem Programm. Das Gastspiel der englischen Theatergruppe zeigte zum ersten Mal eine englische Operette in München. Später haben die hinreißenden Werke des Autorengespanns Gilbert & Sullivan in Deutschland an Bekanntheit verloren. Die Münchner Erstaufführung der Piraten von Penzance im Mai 2009 brachte die englischen Operettenkunstwerke mit großem Echo zurück ins Gedächtnis des Publikums.
An diesen Erfolg möchte das Staatstheater am Gärtnerplatz anknüpfen, wenn nun nach 125 Jahren zum zweiten Mal Der Mikado, das wohl bekannteste Werk der Satiriker des British Empire, zur Premiere kommt: eine makabre Farce, verfremdet und – vordergründig - entrückt nach Fernost, das aber durchaus als Verkleidung europäischer Umstände gesehen werden kann. Gesetzestreue und Liebe scheinen hier eine Frage der Interpretation zu sein.

