Schuld ist der giftige Schlamm aus der Gerberei seines Schwiegervaters, der durch die schlampig verlegten Zuflussrohre ins Badewasser gelangt. Stockmanns Vorhaben, dieses Übel zu beseitigen, stößt zunächst auf Zuspruch. Doch schnell sprechen wirtschaftliche Gründe gegen das Unternehmen. Und so schwenken langsam alle – die Politik, die Presse und die Bürger – um.
Bei einer Volksversammlung spricht er nicht wie geplant über die lokalen Missstände, sondern über den Verfall der gesamten Gesellschaft. Den Hauptgrund der Misere sieht er in der kompakten, liberalen und geschlossenen Mehrheit, denn sie sei der „gefährlichste Feind der Wahrheit und der Freiheit“. Die Versammlung erklärt ihn zum Volksfeind.
Ibsen hat mit Ein Volksfeind ein Schauspiel verfasst, das die Lebenslügen einer Gesellschaft entlarvt und die sehr grundsätzlichen Fragen nach der Legitimierung und der Verantwortlichkeit politischen Handelns stellt.

