Tatsächlich ist der ältere Herr besessen und gedemütigt von dem Verdacht, seine Ehefrau mit ihrem Liebhaber in flagranti zu ertappen, und gerät auf seiner Verfolgungsjagd in zunehmend absurde Situationen. Frank Castorf, der im Sommer seine 25-jährige Intendanz an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin beendet hat, verknüpft diese Vaudeville-artige Erzählung über den Dämon der Eifersucht mit einer anderen Erzählung Dostojewskis: „Der Traum eines lächerlichen Menschen“ handelt von metaphysischen Themen wie dem „logischen Selbstmord“, der Rebellion gegen Gott, dem Sündenfall, Nächstenliebe und Demut bis hin zur ersehnten Kreuzigung des Ich-Erzählers.
Frank Castorf, geboren 1951 in Ost-Berlin, studierte Theaterwissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität und begann seine Laufbahn als Dramaturg 1976 in Senftenberg. Nach ersten eigenen Inszenierungen wechselte er fünf Jahre später an das Theater Anklam, wo er als Oberspielleiter tätig war. Gemeinsam mit dem Bühnenbildner Hartmut Meyer und einer festen Gruppe von Schauspielern entstanden hier verschiedene Produktionen von Werken Shakespeares, Ibsens, Brechts und Heiner Müllers. Ab 1986 inszenierte er an verschiedenen Theatern der DDR, seit 1989 dann auch in der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz – so am Theater Basel („Aias“ und „Wilhelm Tell“) und am Schauspielhaus Zürich („Berlin Alexanderplatz“, „Trauer muss Elektra tragen“). Von 1990 bis 1992 war er als Hausregisseur am Deutschen Theater Berlin engagiert. Mit Beginn der Spielzeit 1992/93 übernahm Castorf die Intendanz der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin, die er im Sommer 2017 nach 25 Jahren beendete.
Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett nach der Erzählung von Fjodor M. Dostojewski, Regie Frank Castorf, Bühne Aleksandar Denić, Kostüme Adriana Braga Peretzki, Kameraregie Andi A. Müller, Kamera Vanessa Püntener, Licht Lothar Baumgarte, Dramaturgie Amely Joana Haag.

