Auf dem Konsulat ist sie jedoch nur ein Fall wie viele andere, ein Name, eine Nummer. Immer wieder versucht sie mit allen Mitteln zum Konsul vorgelassen zu werden, doch die Sekretärin – die personifizierte Bürokratie – weist sie immer wieder ab und vertröstet sie. Als man sich im Konsulat endlich für den Fall Sorel zu interessieren beginnt, haben John und Magda bereits alles verloren.
Spannend an Menottis 1950 uraufgeführter Oper sind nicht zuletzt die Orts- und Zeitangabe des Komponisten, der auch das Textbuch selbst schrieb: »Irgendwo in Europa, Gegenwart«. Das Stück könnte heute auf dem deutschen Konsulat in Istanbul spielen und ist eine flammende Anklage gegen staatliche Willkür einerseits und starre Bürokratie, für die ein Einzelschicksal keine Rolle spielt, andererseits. Die abwechslungsreiche Partitur bietet unter anderem zahlreiche Anklänge an die Musiksprache Puccinis.

