Nathan jedoch empfindet keine Rachegefühle gegenüber den Brandstiftern, sondern Dankbarkeit für den jungen Tempelherrn, der Recha im letzten Augenblick zur Hilfe geeilt und sie aus den Flammen gerettet hat.
Seit dieser kurzen Begegnung fühlen sich der Christ und das jüdische Mädchen voneinander angezogen. Eine Verbindung, die angesichts der politischen Situation der Glaubenskriege von der Gesellschaft nicht akzeptiert werden würde. Währenddessen bestellt der in Geldnöte geratene Sultan Saladin Nathan in seinen Palast. Doch Lessings Nathan hat nicht umsonst den Beinamen „der Weise“, er begegnet finanziellen Forderungen mit der Vernunft der Ringparabel und Konflikten zwischen den Religionen mit Familienbanden.
Gotthold Ephraim Lessings letztes dramatisches Werk Nathan der Weise ist eine Fortführung der theologischen Auseinandersetzung mit dem Hamburger Pastor Goeze. Nachdem der Herzog von Braunschweig 1778 den Briefwechsel verboten hatte, wechselt Lessing die Darstellungsebene und begegnet dem Dogmatismus und dem Fanatismus seiner Gegner mit religiöser Toleranz und Gleichberechtigung der Religionen. In der heutigen Zeit, in der das Feuer der Glaubenskriege wieder hoch zu lodern droht, ein aktuelles und wichtiges Werk.

