Tartuffe, der Verführungs- und Verstellungskünstler, macht sich bei seinem ahnungslosen Opfer unentbehrlich, indem er vorgibt, dessen Defizit an Lebenssinn durch Religion zu füllen. Mit dem hypnotischen Charisma eines Sektenführers dringt er zu den Geheimnissen und Leidenschaften Orgons und seiner Familie vor. Bald werden dem Betrüger Haus und Besitz überschrieben. Die (zugegebenermaßen nicht ganz selbstlosen) Warnungen seiner Angehörigen ignoriert das Familienoberhaupt. Als Orgon schließlich einwilligt, seine Tochter Mariane mit Tartuffe zu vermählen, während dieser eine Affäre mit der Hausherrin zu beginnen sucht, schlagen die Wellen der Komödie hoch.
In ihrer Erzählung darüber, wie Macht und Narzissmus, Moral und Opportunismus voneinander abhängen und einander bedienen, ist die Geschichte vom Tartuffe eine sehr heutige Fabel.
Regie in Düsseldorf führt Robert Gerloff, dessen Inszenierungen von »Auerhaus« und »Die Mitte der Welt« weiterhin auf dem Spielplan stehen.


