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Aus einem Totenhaus

Uraufführung/Premiere am 21. Mai 2018
Im sibirischen Strafgefangenenlager, dem sogenannten Totenhaus, leben Diebe, Mörder und politische Gefangene unter strenger Überwachung. Janáčeks Oper thematisiert die brutale Realität des Lagerlebens und die Geschichten der Insassen, die von Hoffnung, Mitgefühl und Solidarität geprägt sind.

Basierend auf Fjodor Dostojewskis Roman Aufzeichnungen aus einem Totenhaus, in dem dieser seine eigene vierjährige Lagerhaft literarisch verarbeitete, schuf Leoš Janáček ein singuläres Werk des Musiktheaters: eine Oper ohne Helden, ohne eine auf Konflikte und Lösung setzende Handlung. Vor dem Hintergrund des immergleichen, zermürbenden Lageralltags lässt er einzelne Gefangene und ihre Lebensgeschichten für Augenblicke aus der Menge hervortreten, wirft Schlaglichter auf von Erniedrigungen und Beleidigungen gezeichnete Biographien. Janáčeks einzigartiges, dem menschlichen Sprechen abgelauschtes musikalisches Idiom findet einen ungeschönten gestischen Ausdruck für die im Lager herrschende Brutalität, aber auch für die Momente von geteilter Hoffnung auf Freiheit, von Mitgefühl und Solidarität.

Die Produktion greift hierbei auf die gerade erschienene kritische Neuausgabe von John Tyrell zurück, die das Stück auf die Originalfassung von Leoš Janáček mit ihrer bisweilen überraschend kammermusikalischen Orchestrierung zurückführt. „Es ist ein sehr düsteres Werk. Tragisch, tragikomisch, politisch“, so die Dirigentin Simone Young. „Es gibt keinen richtigen Handlungsstrang. Die Hauptcharaktere erzählen von ihren Erfahrungen. Insofern ist es ganz anders als seine übrigen Opern, die mehr mit dem Thema Liebe zu tun haben. Ich freue mich sehr, dass wir hier mit der neuesten wissenschaftlichen Edition des Werks arbeiten können.“ Leoš Janáček schuf mit seiner letzten Oper ein singuläres Werk des Musiktheaters: eine Oper ohne Helden. Vor dem Hintergrund des stets gleichbleibenden Lageralltags lässt er für wenige Momente einzelne Gefangene aus der Menge hervortreten, um ihre Lebensgeschichte zu erzählen, und zeigt so die unverwechselbare Identität eines jeden Einzelnen auf. Als Grundlage für seine Oper diente dem Komponisten dabei Fjodor Dostojewskis Werk Aufzeichnungen aus einem Totenhaus, in dem dieser seinen Aufenthalt in einem sibirischen Strafgefangenenlager rückblickend literarisch festgehalten hat.

Die Oper wird inszeniert von Frank Castorf. Auf ihn üben die Werke von Fjodor Dostojewski eine anhaltende Faszinationskraft aus, er hat in den letzten zwei Jahrzehnten fast alle großen Romane des Autors auf die Bühne gebracht. In seinen Inszenierungen zieht er Verbindungen zwischen der eigentlichen Epoche des Werks, späteren historischen Ereignissen und der Gegenwart. Diese für ihn typische Überlagerung der historischen Schichten wird auch seine Produktion von Aus einem Totenhaus an der Bayerischen Staatsoper auszeichnen – wie schon beim Bayreuther Ring in Zusammenarbeit mit dem Bühnenbildner Aleksandar Denić. So werden die Erfahrungen von Fjodor Dostojewskis eigenem Aufenthalt im zaristischen Strafgefangenenlager im 19. Jahrhundert mit der Realität der Lager des 20. Jahrhunderts verknüpft zu einem totentanzartigen Albtraum, in dem die wenigen verzerrt komischen Momente kleine Lichtblicke für die Gefangenen darstellen. Mit den Sängerinnen und Sängern sucht Castorf nach möglichst konkreten Umsetzungen der extremen physischen Lagerwirklichkeit und will beim Zuschauer den Eindruck erwecken, Beobachter inmitten der Realität des Lagers zu sein.

Mitwirkende

Simone Young(Musikalische Leitung)
Aleksandar Denić(Bühnenbild)
Rainer Casper(Lichtdesign)
Andreas Deinert(Videodesign)
Jens Crull(Videodesign)
Miron Hakenbeck(Dramaturgie)
Sören Eckhoff(Ensemble)
Peter Rose(Schauspieler/in)
Evgeniya Sotnikova(Schauspieler/in)
Aleš Briscein(Schauspieler/in)
Charles Workman(Schauspieler/in)
Bo Skovhus(Schauspieler/in)
Manuel Günther(Schauspieler/in)
Tim Kuypers(Schauspieler/in)
Christian Rieger(Schauspieler/in)
Ulrich Reß(Schauspieler/in)
Johannes Kammler(Schauspieler/in)
Galeano Salas(Schauspieler/in)
Boris Prýgl(Schauspieler/in)
Alexander Milev(Schauspieler/in)
Peter Lobert(Schauspieler/in)
Niamh O’Sullivan(Schauspieler/in)
Callum Thorpe(Schauspieler/in)
Matthew Grills(Schauspieler/in)
Kevin Conners(Schauspieler/in)
Dean Power(Schauspieler/in)
Long Long(Schauspieler/in)

Spielzeiten

Montag, 21. Mai 2018 (Premiere / Uraufführung)
Samstag, 26. Mai 2018

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