Nach einer leichten Überarbeitung folgt zwischen 1944 und 1947 eine amerikanische Fassung. Daran schließt sich die dritte Version an, die 1955/56 entsteht. Die Zeitläufe setzen Brechts anfangs ungebrochenes Vertrauen in Fortschritt und Wissenschaft immer stärker zu. Sein Kommentar zur Aufführung 1947 ist vom Schock der ersten Atombombenabwürfe geprägt: "Es war schimpflich geworden, etwas zu entdecken." Der Gründer des epischen bzw. wissenschaftlichen Theaters wird von diesem Doppelantlitz der Wissenschaft nicht mehr loskommen. So ruft er nicht nur in seinem theatertheoretischen Hauptwerk "Kleines Organon für das Theater" den Renaissancewissenschaftler mehrfach in den Zeugenstand, sondern wird "die Frage nach der Schuld zum Dreh- und Angelpunkt des Epischen Theaters" (Günther Heeg) machen.
Frank Castorf, dessen "Les Misérables" nach Victor Hugo derzeit zu sehen ist, setzt sich in dieser Spielzeit mit dem klassischen Brecht und damit dem Genius loci des Hauses auseinander.
Bild: Bertolt Brecht und Hanns Eisler

