In ihrer Interpretation von Kleists Drama entwarfen Hans Werner Henze und seine Librettistin Ingeborg Bachmann 1958/59 die Idealversion einer offenen und sich reflektierenden Gesellschaft, die für den Regisseur nichts an Dringlichkeit eingebüßt hat: „Ingeborg Bachmanns Libretto ist der Traum eines Gegenentwurfs zur verknöcherten Realität: der Traum von einem freigeistigen Brandenburg, in dem Gerechtigkeit lebbar wird und wo Freimut kein Wagnis mehr ist, einem Brandenburg, in dem der Staat Zweifel und Widerstand seiner Macht gegenüber nicht nur duldet, sondern legitimiert, ja, sich wünscht.“
In der Titelpartie debütiert Robin Adams. Der britische Bariton ist regelmäßiger Gast an den Opernhäusern in Buenos Aires, Barcelona, Basel, Leipzig, Frankfurt und dem Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel. 2011 debütierte er an der Mailänder Scala bei der Uraufführung von Luca Francesconis Zweipersonenstück Quartett nach Heiner Müller. Vera-Lotte Böcker singt Prinzessin Natalie von Oranien und gibt damit ihr Rollen- und Hausdebüt in Stuttgart. Ks. Helene Schneiderman, die seit mehr als 30 Jahren dem Stuttgarter Solistenensemble angehört, singt die Kurfürstin.
Die Premiere von Hans Werner Henzes Der Prinz von Homburg ist der Auftakt zum ersten Frühjahrsfestival der Staatsoper Stuttgart unter dem Motto „wirklich wirklich“: Eine Reihe von Gesprächsveranstaltungen, Sinfonie-, Kammer- und Liedkonzerten, eine Lange Nacht der Minimal Music, ein Wirklichkeits-Kongress sowie zahlreiche Repertoire-Vorstellungen widmen sich den Phänomenen von Wirklichkeitskonstruktionen und Realitätsverschiebungen sowie dem Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit. Weitere Höhepunkte des Festivals markieren nach Der Prinz von Homburg auch die Premieren von John Adams‘ Oper Nixon in China in der Regie von Marco Štorman sowie Vorstellungen der jüngsten JOiN-Produktion Antigone-Tribunal. Das gesamte Festival-Programm ist unter www.staatsoper-stuttgart.de/festival abrufbar.
Oper in drei Akten nach dem Schauspiel von Heinrich von Kleist
für Musik eingerichtet von Ingeborg Bachmann
Musikalische Leitung Cornelius Meister
Regie Stephan Kimmig
Bühne Katja Haß
Kostüme Anja Rabes
Video Rebecca Riedel
Licht Reinhard Traub
Dramaturgie Miron Hakenbeck
Staatsorchester Stuttgart
Eine Einführung vor jeder Vorstellung findet jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Opernhaus, Foyer I. Rang, statt.
Am Samstag, dem Vorabend zur Premiere, zeigt die „Junge Oper im Nord“ um 19 Uhr eine Vorstellung ihrer jüngsten Neuproduktion: Die Kammeroper Antigone-Tribunal nach Slavoj Žižeks Die drei Leben der Antigone in der Fassung von Blanka Rádóczy und Leo Dick. Mit der Uraufführung dieser Kammeroper erweitert das JOiN die Vielfalt seines künstlerischen Repertoires, das neben Produktionen für Kinder und Jugendliche nun erstmals auch eine Inszenierung für erwachsenes Publikum umfasst. Eine separate Einladung hierzu folgt.
Karten sind online unter www.staatsoper-stuttgart.de erhältlich.

