Nichts füllt seine innere Leere, er bleibt unerlöst. Goethes faustisches Prinzip eines ungebändigten Strebens nach Landnahme, Unterwerfung und Dominanz kennt eigentlich nur eine, die göttliche, Grenze. Vom Weltenversteher wandelt sich Faust zum Welteneroberer und letztlich zum Schöpfer. Oder ist dies alles nur der delirierende Traum eines sterbenden, blinden Greises?
In einer multimedialen Installation in der Tradition seiner filmisch-theatralischen Essays packt der Dokumentarfilmer Konrad Kästner gemeinsam mit dem Regisseur Dariusch Yazdkhasti das zentrale literarische Werk der Deutschen bei den Hörnern. Ist es Prophetie, Menschheitsmythos, nationale Selbstermächtigung, Geburtsstunde des modernen Ich oder bereits Abgesang? Wo in dieser Trümmerlandschaft der Gegenwart zwischen Apokalypse und Paradies ist er verborgen, der Augenblick, an dem festzuhalten lohnt?

