Der heute fast vergessene Georg Kaiser war zwischen 1922 und 1933 der meistgespielte Dramatiker Deutschlands. Mit lyrischer Wucht und unbefangenem Pathos stellt seine Prosadichtung »Von morgens bis mitternachts« die Frage nach dem Kern des Seins: Die in Pelz und Seide gehüllte Dame, die in der Bank erscheint, riecht nach großer weiter Welt, nach Abenteuer und Leben. Da brechen beim Kassierer alle Dämme und er stiehlt 60.000 Mark in bar. Er flieht aus dem Käfig seines kleinbürgerlichen Alltags in – ja wohin jetzt?
Anfangs berauscht vom purem Wissen um das begangene Verbrechen begreift der Kassierer in den folgenden Stationen des Dramas, dass Freiheit und Glück nicht zu erkaufen sind. Der »Held« des expressionistischen Schauspiels bäumt sich gegen die ihn beschränkende Gesellschaft auf und scheitert zuletzt doch an ihr. In Zeiten des unbegrenzten Individualismus lohnt eine erneute Auseinandersetzung mit dem Expressionismus, denn: Sind wir nicht doch eher im Wechselspiel mit der Welt zu verstehen denn als Einzelne?
Inszenierung Jasper Brandis
Ausstattung Andreas Freichels
Dramaturgie Stefan Herfurth
Regieassistenz & Abendspielleitung Joshua Taylor


