Doch Madame Pompadour ist nicht nur bildschön, sondern auch gewitzt: Einfallsreich macht sie Calicot zum Hofdichter und René zu ihrem persönlichen Leibwächter – Zugang zum Schlafgemach inklusive. Einem erotischen Stelldichein stünde nichts mehr im Wege, wären da nicht ein eifersüchtiger König und Renés besorgte Gattin Madeleine. Die Pompadour wäre jedoch nicht die mächtigste Frau Frankreichs, wäre sie allen nicht immer einen Schachzug voraus.
Mit »Madame Pompadour« betritt eine der größten Verführerinnen die Bühne der Musikalischen Komödie. Begehrenswert schön, überlegen intelligent und bemerkenswert machtbewusst – die Pompadour war eine der faszinierendsten Frauen ihrer Zeit. Als offizielle Mätresse von König Ludwig XV. stieg sie als erste Bürgerliche in die adeligen Zirkel von Versailles auf und bestimmte über zwei Jahrzehnte lang mehr oder weniger im Verborgenen die Geschicke Frankreichs.
Leo Fall setzt ihr 1922 in seiner drittletzten und zugleich erfolgreichsten Operette ein musikalisches Denkmal. Vor dem Hintergrund des umtriebigen Pariser Rokokos, den Regisseur Klaus Seiffert mit Bühnen- und Kostümbildner Tom Grasshof auf die heutige Zeit adaptiert, lässt der Komponist die freizügigen Zwanzigerjahre aufleuchten. Die subtil aufsässige Musik und die anzüglich-witzigen Dialoge von Rudolph Schanzer und Ernst Welisch sorgten schon damals für einen Sensationserfolg. Klaus Seiffert nutzt in seinem Regiedebüt an der Musikalischen Komödie die erotischen Anspielungen und lässt seine Frauenfiguren mit Charme und Humor der Männerwelt ihre Doppelmoral vorführen. Die musikalische Leitung hat der Chefdirigent der Musikalischen Komödie, Stefan Klingele.


