Im Jahr 1781 wurde Wolfgang Amadeus Mozart von Kaiser Joseph II. beauftragt, eine Oper für das Nationalsingspiel zu schreiben. Ursprünglich hatte der Fünfundzwanzigjährige bereits an einem deutschen Singspiel mit dem damals beliebten türkischen Sujet „Zaïde“ begonnen. Er änderte seine Pläne jedoch, als er im Frühjahr 1781 während eines Aufenthaltes in Wien dem Librettisten Johann Gottlieb Stephanie begegnete, der Mozart sein Libretto „Belmont und Constanze oder Die Entführung aus dem Serail“ anbot. Beide Künstler trafen dabei den vorherrschenden Zeitgeist, denn gerade im 18. Jahrhundert feierten der Orientalismus und gleichzeitig auch die sogenannte Chinoiserie an den europäischen Höfen ihren Siegeszug: Adelige und Herrscher ließen osmanisch oder chinesisch anmutende Palais in ihre Gärten bauen und entsprechende Räume in ihren Palästen einrichten. So ließ beispielsweise Kurfürst Karl Theodor, der seit 1777 in München residierte, in seinem Schwetzinger Schlossgarten eine beachtliche Moschee bauen, die unter anderem als Symbol für die Weisheit des Islam stehen sollte. Darüber hinaus wurden in der darstellenden Kunst und in der Musik allgemein gerne türkische Elemente verwendet.
Trotz diverser Intrigen gegen Mozart und seine neue Komposition, feierte man im Sommer des Jahres 1782 in Wien die Premiere von „Die Entführung aus dem Serail“. Das Wiener Singspiel, das bis dahin eher von Liebhabern und begabten Leien gepflegt wurde, erhielt mit Mozarts sogenannter Türkenoper entsprechend Verve und einen neuen, professionelleren Schliff.
Noch zu Mozarts Lebzeiten wurde die „Entführung“ in vielen verschiedenen europäischen Ländern gespielt und entsprechend auch übersetzt. Etliche Wandertheater nahmen sie in ihr Repertoire auf, so dass unzählige Bearbeitungen sowie Anpassungen entstanden und in Umlauf kamen. Dazu reiht sich nun auch die Bearbeitung für Münchens Kleinstes Opernhaus im Jahr 2019 ein. Einmal mehr wird auf der Pasinger Bühne eine der genialen Mozart-Opern gespielt, nach dem auf dieser bereits „Così fan tutte“, „Die Hochzeit des Figaro“ und „Don Giovanni“ präsentiert wurden.
Für die Inszenierung konnte in diesem Jahr Stefan Kastner gewonnen werden, der den Gästen der Pasinger Fabrik als Opernsänger wohl bekannt ist. Darüber hinaus hat sich Kastner aber auch als Autor und Theaterregisseur überregional einen Namen gemacht.
Die zwei jungen Münchnerinnen Valerie Dziki (Bühne) und Elisabeth Anna Pletzer (Kostüm) werden in dieser Produktion für die Ausstattung zuständig sein. Der musikalische Leiter Andreas P. Heinzmann arrangiert zudem wieder in dem bewährten Duo gemeinsam mit dem Flötisten Jörg-Oliver Werner für das 10-köpfige Orchester von Münchens Kleinstem Opernhaus.


