Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing
»Vor grauen Jahren lebt‘ ein Mann im Osten, der einen Ring von unschätzbarem Wert aus lieber Hand besaß …« So beginnt der bekannteste und millionenfach auswendig gelernte Textteil dieses bald zweihundertfünfzig Jahre alten Schauspiels; so hebt sie an, die umwerfend überzeugende Ringparabel, die der weise Dichter und Denker Lessing seinem lebenserfahrenen Titelhelden in den Mund legte. Die Lessings Ringparabel zugrunde liegende Überzeugung, dass sich Religion durch vorurteilsfreie Menschenliebe zu beweisen hat, wirkt aktueller denn je. Religiöse Toleranz und Respekt gegenüber jedem Menschen – unabhängig von seiner Herkunft und seinem kulturellen Hintergrund – sind Tugenden, die die Basis friedlichen menschlichen Zusammenlebens bleiben.
Und auch das Bühnen geschehen um die Ringparabel herum überzeugt nach wie vor mit seiner zwischen Komödie und Tragödie angesiedelten großflächigen Verquickung von Familien-, Liebes- und Geschäftsgeschichten in Zeiten eines religionsbasierten Krieges, mit literarisch und philosophisch wertvoller Sprache und mit prallen Theaterfiguren. Allen voran der jüdische Kaufmann Nathan, der sein christliches Findelkind heil durch das muslimisch dominierte Jerusalem der Kreuzzüge zu bringen versucht. Und erst "unter stummer Wiederholung allseitiger Umarmungen fällt der Vorhang."
DER TEMPELHERR von Ferdinand Schmalz
Petra und Heinar können durchatmen! Endlich verwirklichen sie sich ihren Traum vom Eigenheim. Endlich haben sie die Flucht ins Grüne angetreten, um ihre Städterlungen mit sauberer Luft aufzufüllen. »Wir ziehn aufs Land«!, verkünden sie und laden ein, um den gewonnen Lebensraum mit ihren Freunden zu feiern. Und während Heinar schon konzentriert hackt und sägt und senst und schaufelt, gesellt sich die schwangere Petra zu den Gästen. Gemeinsam braten sie Würstchen und breiten ihr angehäuftes Fachwissen zum Thema Wohnideen aus: »die Tagesdecke selbst genäht, die Nachttische antik vom Trödler, das Bett aus Lärchenholz«.
Da plötzlich sammeln sich an den Grundstücksgrenzen einheimische Zaungäste und beäugen die frisch zugezogenen Städter. Aber je lauter die Landbevölkerung über die Fremden wettert, desto emsiger baut Heinar an seinem neuen Wohnsitz. Immer größer und verzweigter soll es sein: Stufen, Sockel, Säulen, ja sogar eine Statue wird sichtbar. »Aus den Ruinen des Kontinents«, so der ehrgeizige Häuslebauer, »müsse man sich selber neu erfinden, sich selbst gebären sozusagen«. Und wie aufs Stichwort, mitten auf dem Baugrund, platzt Petras Fruchtblase…

