In Kafkas faszinierenden und zugleich unheimlichen Geschichten scheinen die Helden ihm selbst ähnlich – einsam und sensibel, von einer geheimnisvollen Macht angegriffen und verurteilt. Der übermächtige Vater spielt eine wichtige Rolle, genauso wie das 20. Jahrhundert selbst, das mit Industrialisierung und Erstem Weltkrieg seinen Lauf nimmt. Menschen geraten in die Mechanismen eines gewaltigen Apparates, dem sie ausgeliefert sind.
Einem Mann namens Kafka wird also der Prozess gemacht. Doch die Anklage bleibt unklar, der Anwalt dubios, K.s Schuld scheint bereits festzustehen. Dabei führt er ein geregeltes Leben, arbeitet für eine Versicherung und steigt in der Firma auf. Der 1883 in Prag geborene Franz Kafka hat jahrelang selbst bei einer Versicherung gearbeitet und zugleich in der elterlichen Fabrik mitgewirkt. Die Parallelen zwischen Kafkas Leben und seinen Erzählungen werden in der Uraufführung deutlich und zeigen eine Hauptfigur, die in allen Welten fremd zu sein scheint.

