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Mit der Faust in die Welt schlagen

Uraufführung/Premiere am 18. Januar 2020
In einer von Veränderungen geprägten Zeit wachsen Philipp und Tobi in der Lausitz auf. Ihre Familie scheint intakt, doch die drängenden Fragen der Kinder bleiben unbeantwortet und das Schweigen der Erwachsenen wird zur Quelle von Angst und Ungewissheit.

Elf Jahre nach dem Mauerfall bauen die Eltern von Philipp und Tobi ein Häuschen in ihrem Heimatdorf in der Lausitz. Endlich raus aus dem Plattenbau. Es geht aufwärts, so scheint es, wenigstens für sie. Die meisten Arbeiten am Haus macht der Vater in Eigenleistung. Uwe, ein umgeschulter Elektriker wie der Vater, hilft ihm dabei, denn er hat sonst nichts zu tun. Man munkelt, dass er bei der Stasi gewesen sein soll. Seitdem will kaum einer mehr etwas mit ihm zu tun haben, obwohl niemand genau weiß, was an den Gerüchten dran ist.

Nach einem Jahr Bauzeit ist das Haus fertig – pünktlich zu Tobis Einschulung in der Grundschule im Ort, die sein großer Bruder Philipp schon fast hinter sich hat. Wenn die Eltern arbeiten, die Mutter als Krankenschwester und der Vater auf dem Bau, sind die Jungen bei den Großeltern – am liebsten in deren Schrebergarten. Die Familie scheint besser intakt zu sein als viele andere, in denen die Ehen durch die Suche nach neuer Arbeit auseinandergebrochen und die Kinder bei einem Elternteil zurückgeblieben sind. Die Schamottefabrik, die über Generationen den meisten im Dorf Arbeit gab, ist stillgelegt. Die Tagebaue in der Region sind geflutet.

Doch das familiäre Glück ist trügerisch. Schweigen macht sich breit – zwischen Vater und Mutter, und auch die drängenden Fragen von Tobi und Philipp werden von den Eltern und Großeltern überhört. Warum hat der leere Neubaublock in Hoyerswerda einen verbrannten Balkon? Was sind das für komische Symbole, die auf den Schulhof geschmiert wurden? Weshalb fliegen Flugzeuge in die Türme in New York? Die Kinder haben Angst. Und Eltern und Lehrer, die selbst um Orientierung ringen, weil sie in den letzten Jahren alle Sicherheiten verloren haben, wissen keine Antworten.

15 Jahre lang, von 2000 bis 2015, begleitet die Geschichte das Aufwachsen von Tobi und Philipp und schildert aus deren Perspektive die Veränderungen in der sächsischen Provinz: Der Schornstein der Schamottefabrik ist inzwischen gesprengt, und aus ihrer alten Grundschule soll ein Asylbewerberheim werden.

Lukas Rietzschel hat mit »Mit der Faust in die Welt schlagen« im Alter von erst 24 Jahren den Roman über den Osten der 2000er-Jahre geschrieben. Er erschien fast zur gleichen Zeit, als die Krawalle in Chemnitz das Land erschütterten und wurde so zum Buch der Stunde. Der Schriftsteller und Journalist Jan Brandt urteilt über das Buch: »Lukas Rietzschel ist ein Chronist des Verfalls, er beschreibt, wie es ist, wenn die Heimat verschwindet, wie das Kapital die Menschen entmündigt und sich Lebensläufe in nichts auflösen.« Im Jahre 30 nach dem Mauerfall eine hochaktuelle und sensible Auseinandersetzung mit unserem zerrissenen Land.

Für die Bühne bearbeitet von Thomas Martin. Regie: Axel Vornam, Ausstattung: Tom Musch, Video: Nikolai Stiefvater, Dramaturgie: Sophie Püschel.

Mitwirkende

Thomas Martin(Autor/in)
Sven-Marcel Voss(Schauspieler/in)
Lucas Janson(Schauspieler/in)
Johanna Sembritzki(Schauspieler/in)
Nils Brück(Schauspieler/in)
Sabine Unger(Schauspieler/in)
Oliver Firit(Schauspieler/in)
Friedrike Pöschel(Schauspieler/in)
Frederik Bott(Schauspieler/in)
Arne Löber(Schauspieler/in)
Florian Gerteis(Schauspieler/in)
Simon Kluth(Schauspieler/in)
Romy Klötzel(Schauspieler/in)
Nikolai Stiefvater(Videodesign)
Sophie Püschel(Dramaturgie)
Tom Musch(Bühnenbild)

Spielzeiten

Samstag, 18. Januar 2020 (Premiere / Uraufführung)
Freitag, 24. Januar 2020
Mittwoch, 29. Januar 2020
Mittwoch, 05. Februar 2020
Dienstag, 11. Februar 2020
Donnerstag, 13. Februar 2020
Freitag, 21. Februar 2020
Freitag, 06. März 2020
Samstag, 28. März 2020
Mittwoch, 08. April 2020
Donnerstag, 09. April 2020
Sonntag, 19. April 2020
Samstag, 09. Mai 2020
Dienstag, 19. Mai 2020

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