Der Journalist Alfred Loth und der erfolgreiche Unternehmer Thomas Hoffmann könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine arbeitet bei einer linken Wochenzeitung, der andere gehört als Juniorchef eines Karosserieherstellers zur finanziellen und gesellschaftlichen Elite seiner Region und nutzt seinen Erfolg, um sich neuerdings auch politisch zu engagieren – wobei er unverhohlen im rechten Lager fischt.
Was ist nur passiert, dass die beiden heutzutage in so unterschiedlichen Welten leben? Ändert sich die Welt, oder nur die Menschen? Das versucht Alfred herauszufinden, als er nach 12 Jahren Funkstille plötzlich vor Thomas‘ Tür steht und ihn mit seinen populistischen Parolen konfrontiert. Damit kratzt er zugleich an der strahlenden Oberfläche der Familie Krause, in die Thomas hineingeheiratet hat, und die vor allem für Erfolg und Leistungsbereitschaft steht.
Denn wie in Hauptmanns Drama kämpfen die Familienmitglieder in Ewald Palmetshofers Überschreibung mit vielfältigen Konflikten. Damals noch eine schlesische Bauernfamilie, die durch Kohlefunde reich geworden ist und mit schwerem Alkoholismus zu kämpfen hat, sind die Krauses bei Palmetshofer eine zeitgenössische Mittelstandsfamilie irgendwo in Deutschland, in der das Familienoberhaupt immer noch ein Alkoholproblem hat und Thomas‘ hochschwangere Frau Martha an schweren Depressionen leidet. Bei Hauptmann nur unsichtbare Randfigur, rückt sie bei Palmetshofer in den Mittelpunkt.


