Sieben Autorinnen aus dem europäischen Raum schreiben für das Schauspiel je ein kurzes Stück zu einer von Gandhis Todsünden aus heutiger Perspektive. Schauspieldirektorin Anna Bergmann verwebt die Texte zu einem großen Ensembleabend, in dem es nicht nur um Sünden, sondern auch um die Stärken Europas geht.
Politik ohne Prinzipien: Die griechische Dramatikerin Angeliki Darlasi eröffnet auf Grundlage realer Ereignisse einen Kampf zwischen einer Politikerin als Repräsentantin der Macht und einer jungen Frau, die für die Unsichtbaren, jene ohne Stimme in der Gesellschaft, antritt.
Reichtum ohne Arbeit: Die schwedische Comiczeichnerin Liv Strömquist feiert in Deutschland mit ihren feministischen, sehr schlauen und unterhaltsamen Comics große Erfolge. In ihrem Beitrag für die Todsünden geht sie der Frage nach: „Wie können wir extremen Wohlstand beenden?“
Geschäft ohne Moral: Die in Rumänien geborene und in Luxemburg und London lebende Schauspielerin und Theaterautorin Larisa Faber entwirft das Psychogramm eines Mannes, dessen Leben fundamental durch Missbrauch und Genusssucht anderer geprägt ist.
Wissen ohne Charakter: Maryam Zaree, preisgekrönte Filmemacherin, Schauspielerin und Theaterautorin, legt mit ihrem Text Deutsche Küche eine verbindende Spur zwischen heutigem Rechtsruck und -extremismus zurück zu den Verbrechen des Nationalsozialismus.
Genuss ohne Gewissen: Die luxemburgische Autorin Elise Schmit hinterfragt unser Konsumverhalten vor dem Hintergrund der Klimakrise. An einer Theke gibt es das letzte lebende Exemplar eines Fisches zu kaufen, die Konsumenten wägen Für und Wider ab und enthüllen dabei die fatale Seite des Prinzips Hoffnung.
Wissenschaft ohne Menschlichkeit: Die in Moskau lebende aserbaidschanische Theatermacherin Marina Davydova hütet in ihrem Text Trance das Geheimnis eines Wissenschaftlers am Ende seines Lebens. Er begriff den Menschen als fehlerhafte Maschine und suchte mit dessen Optimierung nach einem Bewusstseinszustand, der das Erkennen von Wahrheit schon im Hier und Jetzt ermöglichen würde und nicht erst im Tod.
Religion ohne Opfer: Die Performerin, Theaterregisseurin und Autorin Sivan Ben Yishai ist in Israel geboren und lebt in Berlin. Am höchsten Feiertag des Judentums, Jom Kippur, wird betend und fastend zwischen Sonnenauf- und -untergang Gott um Vergebung der Sünden gebeten. Doch was, wenn die Sonne nicht mehr untergeht?


