Nach und nach fallen die Schranken bürgerlicher Konventionen, es kommt zu verbalen Entgleisungen, Eifersuchtsszenen, körperlicher Gewalt, einer Schlacht aller gegen alle. Ein Mann stirbt, ein junges Paar begeht Selbstmord. Nach mehreren Tagen löst sich die seltsame Lähmung genauso unverhofft auf, wie sie aufgetreten ist. Durch offene Türen verlassen die Menschen ihr vermeintliches Gefängnis.
Mit dem Film Der Würgeengel schuf Luis Buñuel 1962 ein surrealistisches Meisterwerk. Die Eingeschlossenen, reduziert auf den bloßen Überlebenskampf, sehen sich konfrontiert mit der Sphäre des Irrationalen, die sich jeder einfachen Deutung entzieht. „Die Welt wird immer absurder. Nur ich bin weiter Katholik und Atheist. Gott sei Dank!“, kommentierte Buñuel seine Gegenwart.
Regisseur Viktor Bodó stellt sich erstmals dem Stuttgarter Publikum vor. Bodó, geboren 1978 in Budapest, arbeitet regelmäßig im deutschsprachigen Raum, u.a. in Köln, Hamburg, Wien, Zürich und Berlin. Seine Inszenierung von Peter Handkes Die Stunde da wir nichts voneinander wussten wurde zum Berliner Theatertreffen 2010 eingeladen. 2016 erhielt er den „Europe Prize Theatrical Realities“ der Union des Théâtres de l’Europe. Aus Protest gegen die Einschränkung von Freiheit und Autonomie an der Budapester Universität für Theater- und Filmkunst (SZFE) beendete Bodó seine dortige Lehrtätigkeit. Zahlreiche Künstler*innen auf der ganzen Welt solidarisieren sich mit den Protestierenden unter dem Hashtag #freeSZFE – auch das Schauspiel Stuttgart.

