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L'incoronazione di Poppea

Uraufführung/Premiere am 22. Mai 2021
Amor vincit omnia – die Liebe besiegt alles: diesen Beweis will Amor antreten und fährt damit den Allegorien des Glücks und der Tugend, die um die Vorherrschaft streiten, in die Parade. Claudio Monteverdi führt uns mit seiner Musik direkt hinein in ein Geflecht von Machtspielen, Verschwörungen und Enttäuschungen.
© Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Der am dekadenten Hof Neros in den Suizid getriebene Philosoph Seneca wird zum Symbol des Bankrotts einer ganzen Gesellschaft. Am Ende ist es nicht die Liebe, die siegt, sondern sind es die Intrige, der Ehrgeiz, die Verführung und die Verführbarkeit. Die in den »Annalen« des Römers Tacitus überlieferte Dreiecks-Geschichte von Nero, Ottavia und Poppea wählte der venezianische Freidenker Giovanni Francesco Busenello als Grundlage seines Librettos für Monteverdis letzte Oper. Als maestro di capella von San Marco hatte dieser nicht nur den prestigeträchtigsten musikalischen Posten inne, den die katholische Welt außerhalb Roms vergab, sondern der darstellenden Kunst ein musikalisches Theater geschenkt, das auch heute noch unerhört, ja revolutionär umwerfend ist.

Seit der Uraufführung seiner ersten Oper »L’Orfeo« 1607 am Hof der Gonzagas in Mantua gilt Monteverdi als Begründer des neuzeitlichen Operntheaters und eines eng an die Diktion der Sprache angelehnten Singens, das unser Ohr und damit unsere Gefühle in einer der Vokalmusik bis dato unbekannten Intensität berührt. Darüber hinausgehend wagten die beiden Autoren in ihrer »L’incoronazione di Poppea« etwas auf der Opernbühne noch nie Dagewesenes: Mit der Darstellung historisch verbürgter Persönlichkeiten haben die Götter ihre Macht eingebüßt und liefern nur mehr den Rahmen für ein shakespearenahes Welttheater zwischen Tragödie und Komödie, das den Menschen mit all seinen Leidenschaften, Besessenheiten, Sehnsüchten und Abgründen ins Zentrum rückt. Der sezierenden, auf moralische Wertung verzichtenden Distanz, mit der Busenello auf seine Figuren blickt, antwortet Monteverdi mit einer Musik von differenzierter Menschlichkeit, in der Gewalt, Begehren und Seelennot Klang werden.

Nur ein einziges Mal stand eine Oper Monteverdis bisher auf dem Spielplan der Wiener Staatsoper: In einer stark romantisierten, »freien Neufassung« feierte »L’incoronazione di Poppea« ihre Premiere. In der Monteverdi-Forschung und der historisch informierten Aufführungspraxis hat sich seither sehr viel getan – nicht zuletzt ausgelöst durch die Pionierarbeit von Nikolaus Harnoncourt und seinem Concentus Musicus. 68 Jahre nach seiner Gründung gibt das in Wien beheimatete Ensemble unter der Leitung des spanischen Dirigenten Pablo Heras-Casado nun sein Hausdebüt in der Staatsoper.

Regisseur, Choreograph und Bühnenbildner ist der auch als Autor und bildender Künstler tätige und 2014 mit dem Goldenen Löwen der Biennale di Venezia ausgezeichnete Belgier Jan Lauwers. Mit seiner in Brüssel beheimateten Needcompany schuf er in mehr als 35 Jahren ein Theater, in welchem sich Musik, Schauspiel, Tanz und bildende Kunst immer wieder neu inspirieren und in die Schwebe bringen. Sein melancholisch-heiterer, humorvoll-skeptischer Stil begegnet in seiner in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen entstandenen »L’incoronazione di Poppea« dem großen Menschenzeichner Monteverdi in einer Regie, in der sich alle Mitwirkenden auf einer Ebene treffen: »In unserer Version von ›L’incoronazione di Poppea‹ ist jeder Sänger, jeder Musiker und jeder Tänzer eine eigenständige Kraft – und alle wollen gemeinsam überleben«, erläutert Jan Lauwers seine Konzeption.

Eine Koproduktion mit den Salzburger Festspielen.

Mitwirkende

Pablo Heras-Casado(Musikalische Leitung)
Jan Lauwers(Choreografie)
Kate Lindsey(Schauspieler/in)
Slávka Zámečníková(Schauspieler/in)
Xavier Sabata(Schauspieler/in)
Christina Bock(Schauspieler/in)
Willard White(Schauspieler/in)
Vera-Lotte Boecker(Schauspieler/in)
Sarah Lutz(Tänzer/in)
Daniel Jenz(Schauspieler/in)
Thomas Ebenstein(Schauspieler/in)
Isabel Signoret(Schauspieler/in)
Johanna Wallroth(Schauspieler/in)
Aurora Marthens(Schauspieler/in)
Josh Lovell(Schauspieler/in)
Hiroshi Amako(Schauspieler/in)
Erik Van Heyningen(Schauspieler/in)
Katarina Porubanova(Schauspieler/in)
Paul Blackman(Choreografie)
Elke Janssens(Dramaturgie)

Spielzeiten

Samstag, 22. Mai 2021 (Premiere / Uraufführung)

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