Shakespeares Dramen haben den Komponisten Giuseppe Verdi zeitlebens fasziniert. Hier fand er den Kern seines eigenen Musiktheaters: echte Menschen von tragischer Dimension. In seinem Otello gestaltete er zusammen mit dem Librettisten Arrigo Boito das Seelendrama eines Mannes, der an seinem eigenen Selbstbild zugrunde geht.
Regisseurin Jasmina Hadžiahmetović nimmt diesen Grundkonflikt zum Ausgangspunkt für eine Befragung der menschlichen Natur in Krieg und Frieden. Der Außenseiter Otello, der seinen Platz in der Gesellschaft einzig aufgrund seiner militärischen Erfolge behaupten kann, wird bis in die Hochzeitsnacht von seinen Kriegstraumata verfolgt: „Um seiner Leiden willen“ habe Desdemona ihn geliebt. In dem brutalen Mord am Ende veräußern sich die unterdrückten Erinnerungen des Soldaten ebenso wie die Diskriminierungserfahrungen des Menschen mit dunkler Hautfarbe, zu dem ihn der hassverzerrte Blick eines Jago macht.


