Faust wird verjüngt und schwängert Gretchen. Er verursacht den Tod ihrer Mutter und ihres Bruders Valentin. Aus Verzweiflung und halb wahnsinnig tötet Gretchen das uneheliche Kind. Am moralischen und gesellschaftlichen System gescheitert, legt sie ihr Schicksal in Gottes Hände.
Die Tragödie über den Gelehrten Heinrich Faust zählt zu den Fixsternen der deutschen Literatur. Doch Vanaev blickt in seiner Choreografie hinter die Zeilen des Dichters. «Was hier passiert ist ein Test für die Gesellschaft, eine Frage an die Humanität.» Jede Gesellschaft, jede Religion stellt Regeln auf, die sie für gut hält. «Das Unglück am Beispiel Gretchens passiert ja nicht, weil sie böse ist, sondern, weil sie an einem System scheitert, weil offenbar etwas Gutgemeintes Böses produziert.», so der Ballettchef.
Musikalisch nutzt Vanaev Musik von Barock bis Zeitgenössischem, um die verschiedenen Facetten der Tragödie herauszuarbeiten. Aber auch die grotesken bis humoristischen Momente lassen nicht auf sich warten, etwa wenn in Auerbachs Keller zu Akkordeonmusik auf den Tischen getanzt wird.


