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Letzter Stand I: allos autos

Uraufführung/Premiere am 20. Oktober 2021
In einer von Stau und Lärm geprägten Nacht wird das Bewusstsein eines Mädchens in einer kritischen Situation thematisiert. Ihre Verletzungen und die Begegnung mit ihr erwecken Gedanken über den Zustand der Welt und die Suche nach einem Ausweg.
© Charlotte Brandhorst

Ein gelber Plateauschuh fiel auf die Fahrbahn. Es war in diesem Moment, dass ich zum ersten Mal ihre nackten Füße sah. Die fast verheilte Schürfwunde auf ihrem Spann war klein und doch von großer Bedeutung. Eine Blase als Beweis dafür, dass wir unsere Körper einmal für mehr als das Bedienen von Maschine genutzt hatten. Hätte sie gekonnt, so würden sich ihre krummen Beine mit Sicherheit etwas Anderem widmen, als ab und an zaghaft auf ein Gaspedal zu drücken.

Sie drehte sich um und presste ihre Stirn an vom Schweiß feucht gewordenes Kunstleder. Vor ein paar Stunden war sie unweit der Lärmschutzwand in die Knie gegangen. Man war sich einig, dass sie im Namen aller das Bewusstsein verloren hatte. „Der Ausweglosigkeit wegen“ hatte einer der Männer geflüstert, die sie später zurück zur Blockade trugen. Fast schon unbeeindruckt, denn alle waren sich einig, zu Tagesanbruch würde sie wiederauferstehen. Beweisen, dass der Glaube an dieses verfluchte Leben über den Tod hinausreichte.

Nun ragte auch das zweite Bein des Mädchens aus der Autotür und ich konnte zwischen den Riemen ihrer Sandalen eine weitere Narbe erkennen. Obwohl ihre Handinnenflächen einen makellosen Eindruck machten, war ich mir plötzlich ziemlich sicher, dass sie Jesus sein musste und ich sie liebte. Natürlich, eine Erlösung brachte sie nicht, das wusste ich sofort, denn dafür schätzte ich sie für viel zu nachtragend ein. Aber wohin hätte ich ihr auch folgen sollen, der Stau war keine 6 Meter vorwärts gerückt und doch, dachte ich mir, hatte die Begegnung mit ihr eine neue Zeitrechnung erfordert. Eine vor ihr und eine nach ihr.

Denn seit einer Weile schien die Welt im Umbruch und ein allgemeines Ende näher als jedes Ziel dieser Reisenden. Was soll ich sagen, heute hier und morgen gestern.

Mitwirkende

Antonis Antoniadis(Schauspieler/in)
Ann Göbel(Schauspieler/in)
Silvia Rieger(Schauspieler/in)
Nathalie Seiß(Schauspieler/in)
Yasmin El Yassini(Schauspieler/in)
Fee Aviv Marschall(Komponist/in)
Luna Zscharnt(Videodesign)
David Mohorič(Bühnenbild)
Luis August Krawen(Choreografie)
Denise Potratz(Lichtdesign)
Gabriel Anschütz(Sounddesign)

Spielzeiten

Mittwoch, 20. Oktober 2021 (Premiere / Uraufführung)

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