Seinen Zeitgenossen galt La Cenerentola – mehr als sein ein Jahr zuvor entstandener Barbiere di Siviglia – als der Inbegriff einer komischen Oper, während Rossini selbst sein Werk allerdings nicht so sehr als reine opera buffa anlegte, sondern daraus eine sogenannte semiseria, eine „halb-ernste“ Oper machte. Die Leiden der von ihrer Familie verachteten Angelina werden nicht ohne tragische Untertöne auf die Bühne gebracht, und trotz des überaus komischen Potentials der handelnden Personen bleibt am Ende der „Triumph der Tugend“ eine wichtige und ernstzunehmende Einsicht, zumindest als Utopie, die Rossinis Opernmärchen mit den meisten Märchen der Welt teilt.
Wer fleißig und bescheiden ist, nicht an den Aufstieg, sondern an das wirkliche Leben, an die echte Liebe glaubt, wer moralisch integer, solidarisch mit seinen unmittelbaren Mitmenschen und uneitel ist, wird am Ende belohnt. Aber womit? – In der Märchenwelt ist die Belohnung immer der Aufstieg.


