Mit der Uraufführung von »Schwarze Schwäne« von Christina Kettering wird das Festival eröffnet. »Schwarze Schwäne« ist das Gewinnerstück des ersten Autorenwettbewerbs »Science & Theatre« des Jahres 2019, den das Theater Heilbronn und die experimenta ausgelobt hatten. Der renommierte Schweizer Regisseur Elias Perrig konnte für die Uraufführungsinszenierung gewonnen werden. Die dritte Hauptrolle übernimmt die Kuppel des Science Dome als gigantische, wandelbare Projektionsfläche für die Videoanimationen von Franziska Nyffeler. Statt eines Bühnenbildes schaffen diese Videos die Räume für eine phantastische Geschichte, die aus einer scheinbar ganz alltäglichen Situation erwächst: Ein Mensch wird pflegebedürftig. Was tun? Das zentrale Thema des Stückes: Hilft uns die Künstliche Intelligenz oder ist sie eines Tages in der Lage, uns zu beherrschen?
Rimini Protokoll, eine der gefragtesten Theatergruppen im deutschsprachigen Raum, ist am zweiten Festivaltag zu Gast. Sie nehmen die Zuschauer in der BOXX mit ins »Uncanny Valley/Unheimliches Tal«. Darin untersucht das Künstlerkollektiv die Frage: Kann ein Roboter glaubhaft einen Menschen darstellen? Ist die Künstliche Intelligenz schon so ausgereift, dass sie einen Schauspieler ersetzen kann? Es ist ein unheimliches Gefühl, wenn der Autor und Stückeschreiber Thomas Melle statt seiner ein Roboter-Double auf die Bühne schickt, das ihm zum Verwechseln ähnlich ist.
Große Maschinen machen Musik bei »Ramkoers« von BOT aus den Niederlanden. »Ramkoers« bedeutet auf Niederländisch Kollisionskurs. Und damit machen die Bandmitglieder von BOT in ihrer Musik-Objekt-Performance ernst: Rostige Ölfässer, Fallrohre, klappernde Eisenbeschläge und maschinenähnliche Musikapparate bewegen sich wie von Geisterhand. BOT lädt mit großer Maschinerie und zarten Liedern zu einem visuellen und musikalischen Abenteuer ein.
»Auf Zucker!«: Zu einem »Selbstversuch in sieben Süßigkeiten« lädt das Fundus Theater Hamburg Kinder ab 4 Jahren ein. Hier ist Mitmachen gefragt. Anhand von sieben Süßigkeiten testen das Publikum und die Schauspieler, was genau eigentlich Zucker ist, was er im Körper macht und was ein Stück Zucker für spannende Geschichten über seine Herkunft zu erzählen hätte.
»Die Mondmaschine«, eine außergewöhnliche Lecture-Performance hält die Züricher Compagnie Maß und Fieber. Ausgehend von einem bahnbrechenden Punkt der Menschheits- und Wissenschaftsgeschichte, der Mondlandung 1969, spricht die MFO-Wissenschaftlerin Celeste Abernathy 50 Jahre später über diesen großen Moment und spannt in ihrem Vortrag einen Bogen von Apollo 11 zu Westworld, von Donna Haraway bis zum Voight-Kampff-Test. Sie nimmt das NASA-Unterfangen noch einmal ins Visier, forscht nach Fischen und Kriegen, nach Evolution und Revolution und Künstlicher Intelligenz. Und sie landet immer wieder bei der einen Frage: Was ist der Mensch?
Beim ersten Festival »Science & Theatre« im November 2019 sorgten half past selber schuld mit »Kafka in Wonderland« für Begeisterung. Nun ist das deutsch-israelische Künstlerduo mit dem zweiten Teil der Wonderland-Trilogie beim Festival zu Gast. Sie zeigen ihr Stück »The Last Mortal«, in dem es um ein zentrales Thema der Menschheit geht – den Kampf gegen Krankheit und Tod. In einem perfekten Mix aus Video, Schattenspiel, Figuren- und schwarzem Theater erzählt das Kollektiv aus Düsseldorf von einer Zukunft, in der nicht nur Menschen optimiert sind.
Ein wichtiger Bestandteil des Festivals ist der Autorenwettbewerb. Am Abschlusstag des Festivals werden die drei erstplatzierten Stücke des zweiten Autorenwettbewerbs in szenischen Lesungen vorgestellt. Das Publikum hat die Gelegenheit, mit seinem Votum die finale Entscheidung zu beeinflussen. Das Thema des Autorenwettbewerbs 2021 lautet: „Die Zukunft ist digital!?“.
Die drei erstplatzierten Stücke 2021
Folgende Stücke haben sich durchgesetzt: „Das Glückskind“ von Heiko Buhr (Drei Masken Verlag) ist ein Stück über die Möglichkeiten und Grenzen in die menschliche Natur einzugreifen, wenn es darum geht, Leben zu schaffen oder zu retten. In „HumanApp“ von Ian de Toffoli (Drei Masken Verlag) streiten vier Wissenschaftler über die „moralische Haltung“ von Künstlicher Intelligenz, die anhand einer Fallstudie über einen tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Fahrzeug diskutiert wird. Und Mario Wurmitzers Beziehungskomödie „Die Veredelung der Herzen“ (Thomas Sessler Verlag) geht der Frage nach, ob der Weg zum Beziehungsglück über Maximierung, Perfektionierung und Veredelung des Menschen mittels Künstlicher Intelligenz führen kann. Das erstplatzierte Stück ist mit 5000 Euro dotiert und wird in der kommenden Spielzeit in einer Inszenierung des Theaters Heilbronn uraufgeführt. Die beiden anderen Stücke sind mit je 2000 Euro dotiert. Alle drei Autoren werden bei der Vorstellung ihrer Stücke anwesend sein.
Rund um die Vorstellungen von »Schwarze Schwäne« und »Ramkoers« gibt es die Gelegenheit zu Begegnungen. Bei Musik und einem Begrüßungscocktail kann man vor den Stücken den Einführungen lauschen, im Anschluss mit den Künstlern ins Gespräch kommen und Snacks vom Buffet genießen.
Podiumsdiskussion »Künstliche Intelligenz und Theater« am 20. November im Untergeschoss e1 der experimenta.
Der Kartenverkauf läuft über das Theater Heilbronn.


