Die Gastgeber fordern den Feuerwehrhauptmann auf, noch zu bleiben und sie mit witzigen Anekdoten zu unterhalten. Auch das Dienstmädchen Mary, die Anekdoten für ihr Leben gern erzählt, möchte eine Geschichte zum Besten geben. Sie erkennt in dem Feuerwehrhauptmann ihren ersten Freund wieder und fällt ihm freudestrahlend um den Hals. Auf dem Weg nach draußen erkundigt sich der Feuerwehrhauptmann nach der kahlen Sängerin. Sie trägt immer noch dieselbe Frisur, versichert man ihm.
„Die kahle Sängerin“ ist Eugène Ionescos erstes Theaterstück (1950) und der Auftakt zum ›Theater des Absurden‹. Aus einer Ansammlung häuslicher Szenen voller Nonsens, Situationskomik, Pseudo-Klischees und pointenlosen Anekdoten formt sich ein „Anti-Stück“ voller Sprachakrobatik und Witz. Gemeinsam mit Ionesco verfasste der italienische Komponist Luciano Chailly das Libretto zur gleichnamigen Oper und fing in seiner Komposition den Charakter der Figuren und ihrer Beziehungen mal mit einem Zupfquintett, leicht, eitel und tänzerisch, einem getragenen Streichquintett oder einem eher derb intonierenden Bläserquintett ein. In Semper Zwei ist die 1986 in Wien uraufgeführte Opern-Rarität nun in der Deutschen Erstaufführung zu erleben.
Kammeroper in einem Akt nach der Anti-Komödie von Eugène Ionesco
Deutsch von Josef Heinzelmann


