Diese historische Begebenheit fand ihre literarische Verarbeitung in Gertrud von le Forts Novelle Die Letzte am Schafott, die Georges Bernanos zu einem Drehbuch umarbeitete – der Vorlage zu Francis Poulencs 1957 uraufgeführter Oper. Im Zentrum steht die junge Blanche de la Force, die seit ihrer Kindheit unter Angstattacken leidet und Zuflucht im Kloster der Karmeliterinnen findet. In der Weltabgeschiedenheit des Ordens herrscht ein harter, von Selbstüberwindung geprägter Alltag vor. Als die Revolution in die Stille des Klosters einbricht und sich die Klosterfrauen für das Martyrium entscheiden, überwindet zuletzt auch Blanche ihre Todesangst und schließt sich den Ordensschwestern an.
Poulencs Musik ist theatralisch effektvoll, soghaft und voll von lyrisch-intimen Momenten. Ganz in der Tradition Claude Debussys legt Poulenc den Akzent auf das Gespräch der Schwestern, dessen Hauptgegenstand das Martyrium ist. Dabei werden Tod und Leid jedoch nicht verklärt, sondern problematisiert. Das zeigt sich nicht zuletzt an der kranken Priorin, deren Todeskampf Poulenc in aller Schonungslosigkeit darstellt.
Die Oper hält faszinierende Frauenrollen bereit. Die alte Priorin wird von Evelyn Herlitzius verkörpert, die hier zuletzt als Janáčeks Emilia Marty für Furore sorgte. Eine ebenfalls in Zürich wohlvertraute Stimme ist Olga Kulchynska, die als Blanche debütiert. Tito Ceccherini, der seine Kompetenz im Umgang mit modernen Partituren an unserem Haus mit Ligetis Le Grand Macabre unter Beweis stellte, übernimmt die musikalische Leitung. Die Regisseurin Jetske Mijnssen wiederum feierte zuletzt mit Rameaus Barockoper Hippolyte et Aricie einen großen Erfolg.
Oper in drei Akten (zwölf Bildern)
Libretto vom Komponisten nach dem Drama von Georges Bernanos
In französischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung. Werkeinführung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn.


