Wie begegnen wir dem oder der anderen? Neugierig? Mit offenem Herzen? – Unter dem Motto „Haltung und Hoffnung“ haben der Intendant der Ruhrfestspiele Olaf Kröck und sein Team das Programm der Ruhrfestspiele vorgestellt.
„Ich freue mich, dass die Ruhrfestspiele nach zwei Jahren endlich wieder ein Ort der direkten, persönlichen Begegnung sein werden. Recklinghausen wird wieder ein Raum für die Kunst, für das Theater und die Begegnung von Künstler*innen aus der ganzen Welt mit ihrem Publikum. Dafür haben wir ein vielfältiges, internationales Programm zusammengestellt, das in seinen künstlerischen Haltungen noch entschiedener geworden ist. Die Theaterkunst hat an Kraft gewonnen. Sie ist haltungsstark und tiefgründig. Es ist Kunst, die etwas will“, so Intendant Olaf Kröck.
Zur aktuellen politischen Lage in Europa sagte Olaf Kröck: „Es macht mich tief betroffen, dass Krieg in Europa herrscht. Einem souveränen Land wird sein Existenzrecht aberkannt und ein Invasionskrieg aufgezwungen. Der Mut des ukrainischen Volkes, sich dieser Aggression zu widersetzen und die Solidarität und Entschiedenheit, mit der die Welt diesem Völkerrechtsbruch begegnet, zeigt, dass Freiheit, Menschenrechte und das Bestreben nach einem Leben in Frieden nicht verhandelbar sind. Unsere Solidarität gilt allen Menschen der Ukraine.“
Das Programm der Ruhrfestspiele umfasst zahlreiche Produktionen, darunter eine Weltpremiere und mehrere Deutschlandpremieren. Die Ruhrfestspiele nutzen dabei verschiedene Spielstätten und präsentieren mehr als 650 Künstler*innen aus rund 20 Ländern.
Die Ruhrfestspiele haben für ihre 76. Spielzeit bewusst erneut einen internationalen, genreübergreifenden Auftakt geplant. Die diesjährige Eröffnungsrede hält die Schriftstellerin, Herausgeberin und politische Aktivistin Sharon Dodua Otoo. Engagiert und anarchisch, augenöffnend und spannend gelingt der Bachmann-Preisträgerin ein Um- und Neudenken von Perspektiven und Erfahrungen. Ihr Erzählen findet neue Zugänge zu gesellschaftlichen Umbrüchen, individuellen Erinnerungen und kollektiven Traumata. Die Eröffnungsinszenierung ist die Deutschlandpremiere „SIBYL“ des südafrikanischen Künstlers William Kentridge. Der bildgewaltige Abend ist übervoll mit Musik, Literatur, Film, Theater und Tanz. Er denkt nach über die Natur, die Mythologie, die Vielfalt menschlicher Kulturen und Sprachen, er handelt von der Entstehung von Kunst und der Sehnsucht nach Gemeinschaft. Am folgenden Tag zeigt der italienische Theatervisionär Romeo Castellucci mit „Bros“ eine Theaterarbeit über Macht, Gewalt und Hoffnung. Die Deutschlandpremiere und Koproduktion mit Societas ist ein ästhetisches und politisches Manifest. Außerdem startet im Rahmen der Eröffnung die diesjährige Kunstausstellung und präsentiert die estnische Künstlerin Flo Kasearu mit ihrer ersten großen Einzelausstellung.
Mit „Tao of Glass“ von Philip Glass und Phelim McDermott steht eine weitere internationale Produktion als Deutschlandpremiere auf dem Spielplan. Im Genre Schauspiel sind zudem verschiedene Inszenierungen zu sehen, darunter die Schaubühnen-Inszenierung von „Eurotrash“ und „Mein Name sei Gantenbein“ des Berliner Ensembles.
Die zentralen Produktionen im Genre Tanz sind in diesem Jahr die Hofesh Shechter Choreografie „Double Murder“ und „The Sacrifice“ der südafrikanischen Choreografin Dada Masilo. Zudem präsentieren die Ruhrfestspiele die Deutschlandpremiere von Stefanie Lakes „Colossus“.
Die Ruhrfestspiele haben die Autorin Sharon Dodua Otoo eingeladen, innerhalb der Festspiele ein eigenes, neues Literaturfestival zu gestalten: „Resonanzen – Schwarzes Literaturfestival“ ist entwickelt als dreitägiges Festival mit einem Rahmenprogramm – eine Plattform für deutschsprachige Schwarze Nachwuchsautor*innen. Im Fokus stehen dabei die Förderung angemessener Teilhabe und ein Um-, Neu- und Weiterdenken von Perspektiven und Erfahrungen innerhalb der deutschsprachigen Literaturszene. Resonanzen 2022 ist geplant als Kickoff für eine alljährliche Fortsetzung des Festivals in wechselnden Kooperationen mit anderen Theatern oder Institutionen. In der Literatur setzen die Ruhrfestspiele zudem die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Kritiker und Moderator Denis Scheck fort. Eingeladen sind in diesem Jahr verschiedene Autor*innen, die Lesungen gestalten werden.
Im Genre Neuer Zirkus präsentieren die Ruhrfestspiele weiterhin internationale Künstler*innen und Gruppen. Weltpremiere feiert die Mexikanerin Gabriela Muñoz mit ihrer neuen Produktion „Julieta“. Aus Marokko ist die Groupe Acrobatique de Tanger mit ihrer Arbeit „FIQ!“ zu Gast, in der die Wurzeln der traditionellen marokkanischen Akrobatik in eine zeitgenössische Zirkussprache übersetzt werden. Die Ruhrfestspiele sind zudem Partner und Jurymitglied von Zirkus ON, dem Kreationsbündnis für Zirkuskunst in und aus Deutschland.
Als Koproduktion mit Quarantine, Manchester, produzieren die Ruhrfestspiele auch in diesem Jahr ein Projekt im Stadtraum: „The people of … Recklinghausen Süd“ ist ein Audiospaziergang im öffentlichen Raum, der entlang einer festgelegten Route verschiedener Stationen erlebt werden kann. Ebenfalls im Genre Zwischenräume ermöglicht es Interrobangs algorithmische O-Ton-Montage „Die Philosophiermaschine“ dem Publikum, mit den großen Denker*innen des 20. Jahrhunderts jeweils individuelle „Gespräche“ zu führen und zentrale Themen der Gegenwart neu zu verhandeln: Freiheit, Dissidenz, Anderssein, Zensur, gesellschaftliche Utopie, Hoffnung. Neben zahlreichen weiteren Produktionen des Genres nehmen die Ruhrfestspiele zudem die für 2020 geplante Kooperation mit der FIDENA, dem renommierten Figurentheaterfestival, wieder auf und präsentieren zwei Produktionen.
Die Jungen Ruhrfestspiele schaffen Orte für Erfahrung, ästhetische und reale Gestaltung und Auseinandersetzung für junge Menschen. Die eingeladenen Produktionen kommen von verschiedenen renommierten Theatern. Gleichzeitig setzt das Team zahlreiche Mach Mit!-Angebote zum sinnlichen Erleben und zur kreativen Partizipation fort. Durch das „passt“-Förderprogramm „Zur Bühne“ des Deutschen Bühnenvereins im Rahmen von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ kann das Sommerferienworkshop-Programm deutlich erweitert werden.
Die Ruhrfestspiele planen in der Saison eine Vielzahl weiterer Programmpunkte. Zentrale Musikacts sind Element of Crime und die franco-komorische Sängerin Imany. Im Bereich Kabarett sind verschiedene Künstler*innen zu sehen. Die Ruhrfestspiele wollen weiterhin intensiv mit ihrem Publikum ins Gespräch kommen. Zahlreiche Künstler*innen sind in Live- und/oder digitalen Gesprächen zu Gast. Zusammen mit dem DGB ist die Fortsetzung der Reihe „Partei ergreifen!“ als Live- und digitale Veranstaltungsreihe in Planung. Im 2021 gegründeten Digitalen Ruhrfestspielhaus werden internationale Filme zu sehen sein.
Der Kartenvorverkauf für die Ruhrfestspiele beginnt bald. Neu in diesem Jahr ist das Pat*innenkartensystem, das Kindern und Jugendlichen Zugang zu Kultur- und Bildungsangeboten ermöglichen soll. Besucher*innen der Ruhrfestspiele können im Webshop Pat*innenkarten erwerben und damit finanziell benachteiligten Kindern und Jugendlichen die Teilnahme an den verschiedenen Angeboten ermöglichen.
Alle infos
www.ruhrfestspiele.de


