Was als spannende Kriminalgeschichte beginnt, weitet sich schnell zu einem kaleidoskopartigen Panorama der Arbeiterschicht in der Weimarer Republik. Vor dem Hintergrund zweier junger Liebespaare und einer organisierten Kleinverbrecherbande entspinnt sich eine Großstadtgeschichte um Verzweiflung und Hoffnung, Arbeitslosigkeit und zärtliche Liebe. Die jüdische Schriftstellerin Anna Gmeyner zeigt in ihren Werken nicht die Roaring Twenties, sondern das Alltagsleben der kleinen Leute. Als bedeutende Autorin der Exilliteratur kennt man sie heute vor allem für ihre Romane Manja und Café du Dôme. Ihre Theaterstücke werden erst jetzt wieder entdeckt. Welt überfüllt feiert fast hundert Jahre nach seiner Entstehung seine Uraufführung.
Auch bei der Uraufführung im Studio geht es um die Kraft der Herzlichkeit, allerdings steht dort die Bibliothekarin einer Highschool im Mittelpunkt. Eine Granate explodiert in der Turnhalle der East Grand Rapids Highschool und entfesselt einen Bürgerkrieg mit der konkurrierenden Schule. Während die Schüler:innen gegeneinander ins Gefecht ziehen, bestreitet Rektor Overstreet die Berichterstattung via Sprechanlage. Die Highschool versinkt im Chaos – Loser gegen Football-Spieler und jeder gegen jeden. Miss P. hingegen verteidigt mit aller Kraft die letzte Bastion des Wissens: Die Schulbibliothek. Diese wird aus den eigenen Reihen attackiert, denn die Macht des geschriebenen Wortes bedroht die Desinformationskampagnen des Schulrektors. Der Autor Noah Haidle nutzt in Kissyface den Mikrokosmos einer amerikanischen Highschool als Metapher für seine Gesellschaftsanalyse und formuliert inmitten seiner Kriegsgroteske ein Plädoyer für die Außenseiter:innen und Stimmen der Vernunft.


