Beteiligt sind vier professionelle Performer:innen sowie ein 13-köpfiger Bürger:innenchor. Dieser Chor setzt sich aus Mitgliedern der Mülheimer VolXbühne und Mitwirkenden der von A.TONAL neu gegründeten Bürgerbühne Köln zusammen. Die Besetzung mit Bürger:innen und professionellen Akteur:innen ermöglicht es, Fragen von Authentizität versus professioneller schauspielerischer Repräsentanz in der Performance offen durchzuspielen und der provokanten These nachzugehen, dass Theater die einzige noch existierende Wirklichkeit ist, weil sie die einzige ist, die sich ihres Scheines bewusst sei (Carl Hegemann).
Die Zuschauerinnen und Zuschauer werden Teil einer Suche nach den „ewigen Jagdgründen“ des Theaters: Spielerisch erkundet Hypocrites die Widersprüche Natürlichkeit versus Künstlichkeit und Schein versus Sein und rückt den beschriebenen vermeintlichen Widerspruch ganz offen, „ungeschminkt“ ins Zentrum einer Aufführung und der Diskussion im Rahmen des Social Media Videoblogs Hypocrites TV.
Der Schauspieler Valentin Stroh steht dabei als „Hypokrites“ einem vielköpfigen, in Sprache und Bewegung choreographierten Chor gegenüber. Der Chor ist sein Stichwortgeber, sein Echo, sein Gegenüber, sein Versteck, die ihn umgebende, bewertende Masse oder Gesellschaft, sein Publikum, seine Heimat, aus der er hervorgeht, das All, in welches er zurückkehrt usw. Dazwischen spielt er für uns. Er betreibt Schauspielkunst und erklärt, was einen „guten“ Schauspieler ausmacht.
Theater kann man sich ohne Schauspieler kaum vorstellen. Auch sie stammen – wie das Theater selber – aus der Antike. Sie trugen damals den griechischen Namen „hypokrités“, was übersetzt etwa bedeutet: „Antworter“. Dieser Name leitet sich aus dem Chorgesang ab: Der „Antworter“ stand dem Chor gegenüber, sodass ein erster Dialog auf der Bühne überhaupt erst möglich wurde. Seit dem Neuen Testament wird „Hypokrites“ mit dem Begriff „Heuchler“ übersetzt. In der Bandbreite zwischen den Bedeutungen „Antworter“ (Antike) und „Heuchler“ (Neues Testament) und „Lügner“ (heute z.B. im Englischen) zeigt sich deutlich auch das Sujet der Inszenierung: Der scheinbare Widerspruch zwischen dem Authentischen und dem Repräsentativen, ausgehend von der These, dass das Theater grundsätzlich auf dem Gedanken des Scheins basiert: Ist der Gegensatz von Schein und Sein – die Ur-Paradoxie des Theaters – überhaupt auflösbar?
Eine Produktion von A.TONAL.THEATER in Koproduktion mit dem Theater an der Ruhr und der VolXbühne Mülheim an der Ruhr, Freihandelszone – Ensemblenetzwerk Köln und der Alten Feuerwache Köln.
Gefördert durch die Stadt Köln, das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, die Rheinenergie Stiftung Kultur Köln und die MEG – Mülheimer Entsorgungsgesellschaft.


