Nach acht Jahren Amtszeit legt Benedikt XVI. zur Überraschung des Vatikans das Pontifikat nieder. Der Nachfolger von Johannes Paul II. gilt als wissender Theologe und Philosoph, der um den interreligiösen Austausch bemüht ist. Jedoch überschatten einige Skandale seine Amtszeit – Korruption und Misswirtschaft der Vatikanbank, mangelnde Reformbereitschaft der Kirche und vor allem die Aufarbeitung der vielen sexuellen Missbrauchsfälle von Kindern durch kirchliche Würdenträger.
Benedikt sieht ein: Dem 86-Jährigen fehlt die Kraft und der Rückhalt für Reformen. Doch der argentinische Kardinal Jorge Bergoglio ist in seinen Augen der passende Pontifex-Nachfolger – dieser ist Bischof von Buenos Aires, gilt als Reformator und soll die Zukunftsfähigkeit der Institution Kirche neu manifestieren.
Autor Anthony McCarten versetzt die Szenerie des Hauptgespräches nach Castel Gandolfo, nachdem die Geistlichen sich mit ihren fürsorglichen Nonnen beraten haben. McCarten entwickelt einen spannenden wie tief von gegenseitigem Respekt geprägten Schlagabtausch. In seiner ersten Produktion am Haus ist es dem Regisseur René Heinersdorff besonders wichtig zu zeigen, dass es sich darin mehr um eine objektive Suche nach Benedikts Rücktrittsgründen handelt und keineswegs um eine reine Kirchenschelte. „Die zwei Päpste“ erschien außerdem 2022 als Verfilmung auf Netflix.
Die Theateradaption in der deutschen Übersetzung von Sonja Valentin ist nach der am Renaissance Theater Berlin im WBT in der zweiten deutschsprachigen Aufführung zu sehen.


