Georges Bizets letztes Bühnenwerk feierte einen beispiellosen Siegeszug und gehört heute zu den meistgespielten Opern überhaupt. Weltbekannte Melodien wie Carmens „Habanera“ oder das Couplet des prahlerischen Escamillo „Votre toast“ sind zu Hymnen der Oper geworden. Mit ihr entstand auch der Mythos Carmen: Sinnlichkeit, Verführung und die Flatterhaftigkeit der Liebe sind die Assoziationen, die diese schillernde Frauenfigur auslöst. Sie nimmt sich, was sie will – eine absolute Provokation für eine patriarchale Gesellschaft, die Carmen erbarmungslos als Projektionsfläche für alles triebhaft Unterdrückte missbraucht.
Die Kehrseite der Geschichte ist die Gewalt gegen Frauen, die ein selbstbestimmtes Leben für sich einfordern. Dabei erzählt Carmen fast noch mehr über die tödliche Begierde eines Mannes, der in seiner Zerrissenheit zwischen zwei Frauen und dem Verlust seiner Position keinen anderen Ausweg sieht als den Mord an seiner untreu gewordenen Geliebten.
Regisseur Immo Karaman fordert in seiner Inszenierung die klassischen Rollenmuster der Carmen heraus. Durch die Augen des Täters Don José verlieren sich die klaren Konturen zwischen Realität und Wahnsinn. Mit analytischer Tiefenschärfe wenden wir den Blick in die dunkelsten Winkel der menschlichen Psyche zwischen Sex und Gewalt.
Libretto von Henri Meilhac & Ludovic Halévy nach Prosper Mérimée
In französischer Sprache mit deutschen & englischen Übertiteln


