Denn in der Zukunft sieht es eben auch schon wieder nicht wahnsinnig gut aus und irgendwo muss das alles ja seinen Anfang genommen haben. Also stattet man den Chor gut aus, klopft ihm auf die Schultern und bittet ihn, die Menschen in der Vergangenheit, in den 2020er Jahren, zu warnen, dass ihre ganze Verfassung auf eine wirklich düstere, unerträgliche Zukunft zusteuert. Aber zwischen Streamingdiensten, Immobilienkrisen, Einsamkeit, durchindividualisierter Wettbewerbsgesellschaft, Hitzewellen, Wasserknappheit usw. usf. hört natürlich niemand die Kassandrarufe so eines prophetischen Chors, der umgekehrt langsam, aber sicher zerfällt, denn einige werden Influencer, andere vermarkten ihre Kassandrarufe auf TikTok, ein paar machen Theater, bis der traurige letzte Rest im Angesicht der Apokalypse feststellt, dass die eigentliche Krankheit das individuelle Wachstum ist, das keine Verantwortung, kein historisches Bewusstsein für kommende Generationen besitzt.
Thomas Köck nimmt also in seinem neuen Stück mit komödiantischer Überspitzung unsere Ratlosigkeit angesichts der bevorstehenden Umweltkatastrophen aufs Korn. Er wurde dazu von dem Film "Don’t look up!" inspiriert, in dem es einen Chor gibt, der vor der Katastrophe warnt und nicht ernst genommen, sondern medial ausgebeutet und von der eigenen Eitelkeit erwischt wird.
Bei Thomas Köck werden in "und wenn ich von der zeit spreche ..." alle Themen der Fridays-for-future-Generation aufgegriffen: Klimawandel, Umweltzerstörung und das Bedürfnis, die Schöpfung zu bewahren. Zudem wird danach gefragt, ob es einen Gegenentwurf zum Kapitalismus geben kann und wie sowie die Frage gestellt, welche Welt wir unseren Kindern hinterlassen wollen. Und auch die Aktivist*innen der Letzten Generation finden sich hier wieder – kein Wunder, bei dem Autor, der vielfach ausgezeichneten Klimatrilogie, die die drei Stücke "paradies fluten", "paradies hungern", "paradies spielen" umfasst.
Thomas Köck wurde für seine Theatertexte mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Literaturpreis "Text & Sprache" des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft sowie mit dem Mülheimer Dramatikerpreis.
Eine spartenübergreifende Produktion von Schauspiel, Musiktheater und Tanz.


