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Der Sturm

Uraufführung/Premiere am 22. April 2023
In Shakespeares letztem Schauspiel 'Der Sturm' steht die zentrale Frage im Raum: 'Bist du denn nicht vom Himmel gefallen?' Diese Frage gilt dem Luftgeist Ariel, der mit hintergründiger Ironie dargestellt wird. Die Inszenierung überzeugt durch starke Bilder und einen faszinierenden Verwandlungszauber.
© Toni Suter

Die Kostüme beschwören mit Halskrausen Shakespeares Zeitalter herauf. Der Regisseur gelingt hier starke und suggestive Bilder, die sich einprägen. Rote Vorhänge lenken den Blick auf ein wildes Geschehen. Im Bühnenbild wird deutlich, wie eine kleine Insel den Schiffbrüchigen das Leben rettet. Hier herrscht der überzeugend gespielte Prospero, der einst Herzog von Mailand war. Zu spät bemerkte er, dass sein Bruder Antonio eine Verschwörung plante, um ihn zu stürzen. Antonio wollte die alleinige Macht über Mailand gewinnen. Prospero wurde mit seiner Tochter Miranda vom königlichen Hof vertrieben und auf der Insel ausgesetzt.

Seit zwölf Jahren leben sie dort mit dem ausdrucksstark gespielten missgestalteten Sklaven Caliban und dem Luftgeist Ariel. In dieser Inszenierung verändert und verschiebt sich die offene Bühne in permanenter Weise. Witz, Humor und Ironie kommen nie zu kurz - auch dann nicht, wenn Prospero Rache an seinem virtuos gemimten Bruder Antonio nimmt. Mit der Hilfe Ariels gelingt es ihm, das vorbeiziehende Schiff mit seinen Feinden an Bord vom Kurs abzubringen und auf der Insel stranden zu lassen. Dann kommt es zum großen Schnitt: Alonso, König von Neapel, sein Sohn Ferdinand und Antonio werden voneinander getrennt. Auf der fremden Insel irren sie nun ziellos umher, werden von Geistern verfolgt und finden keine Ruhe.

Doch am Ende löst der kluge Prospero seinen Zauber auf, seine Magie endet. Auch Caliban und den Luftgeist Ariel entlässt er in die Freiheit. Das Schiff mit seiner Tochter, ihrem Bräutigam, dem König und seinem Bruder Antonio setzt seine Segel mit Kurs auf Neapel. Prospero kehrt dahin zurück, von wo er hergekommen war, die Erde hat ihn wieder: 'Wir sind aus solchem Stoff, aus dem man Träume macht; dies kleine Leben umfasst einen Schlaf.' Prospero versenkt sein Zauberbuch am Ende ins Meer. Und im Schauspielhaus nimmt er der Souffleuse das verstaubte Textbuch aus der Hand, bevor das Licht ausgeht. Das ist ein raffinierter Kunstgriff, eine neue Handlung innerhalb der Handlung. An Kunstgriffen mangelt es dieser Inszenierung nicht, die ansonsten mit recht sparsamen Mitteln auskommt.

In gewisser Weise merkt man bei diesem Zauberlustspiel, dass Prospero wohl eine Selbstdarstellung Shakespeares ist, was plastisch zum Ausdruck gebracht wird. Von allen großen Dramen Shakespeares ist das Finale von 'Der Sturm' wohl am heitersten. Es ist eine große Befreiung aus seelischer Gefangenschaft, was die Inszenierung plausibel verdeutlicht. Prospero wird wieder Herzog von Mailand, der König von Neapel gewinnt seinen Sohn zurück und bereut den begangenen Verrat. Alle Schuld ist vergeben, alles Verbrechen verziehen. Die Leidenschaften sind erloschen, die Elemente haben sich beruhigt.

In weiteren Rollen fesseln umtriebige Witzbolde und versoffene Diener. Der Zauber der geheimnisvollen Verwandlungen wird auf der Bühne durch ständige Bewegungen und Veränderungen sichtbar, die der Regisseur immer wieder unterstreicht. Im Monolog zu Beginn des fünften Aufzuges wird das revolutionäre Geschehen deutlich, wenn Prospero den Zauberstab zerbricht und 'viele Klafter tief' in die Erde versenkt. Im Epilog wird dann bestätigt, dass alle seine Künste dahin sind. Das Auf und Ab, Hin und Her der Szenerie mit dem Raub von Fürstenkronen, hinterhältigem Verrat, liebessehnsüchtiger Jugend und randalierender Unterwelt nimmt den Zuschauer in atemloser Weise gefangen - denn die Bühne senkt sich in gespenstischer Weise tatsächlich nach unten.

Zu Beginn hängt oben ein Schiffssegel, das sich langsam herabsenkt und aus dem der Luftgeist Ariel herausspringt. Shakespeares Verse werden sehr lebendig umgesetzt - vor allem bei der symbolkräftigen Figur Calibans, dem Sohn der Hexe Sykorax und des Teufels. Dazu passt die eindringliche Musik. Es wird deutlich, dass Schatten auf Prosperos Gestalt liegen. Dazu gehören auch seine Wutanfälle und sein Rachedurst. Am Ende steht ruhevolle Größe. Das Entsetzen, das die Protagonisten auf dem Weg dorthin erleben, könnte bei manchen Passagen noch plastischer gezeichnet werden.

Doch insgesamt glückt eine Inszenierung, die einen großen philosophischen Bogen spannt, die visuelles Geschehen mit gedanklicher Tiefe verbindet. Vor allem ist das Publikum stets gebannt, nie gelangweilt. Prospero folgt der Maja-Lehre. Die Welt ist hier eine Illusion, die plötzlich zur Realität wird. 'Bravo'-Rufe, viel Applaus für das gesamte Team.

Mitwirkende

Florian Etti(Bühnenbild)
Ute Lindenberg(Kostümbild)
Hans Platzgumer(Komponist/in)
Rüdiger Benz(Lichtdesign)
Louis Stiens(Choreografie)
David Krahl(Schauspieler/in)
Felix Strobel(Schauspieler/in)
Reinhard Mahlberg(Schauspieler/in)
André Jung(Schauspieler/in)
Marco Massafra(Schauspieler/in)
Evgenia Dodina(Schauspieler/in)
Sven Prietz(Schauspieler/in)
Christiane Roßbach(Schauspieler/in)
Camille Dombrowsky(Schauspieler/in)
Sylvana Krappatsch(Schauspieler/in)
Sylvana Krappatsch(Schauspieler/in)
Ute Lindenberg(Kostümbild)
Florian Etti(Bühnenbild)
Andre Jung(Schauspieler/in)
Camille Dombrosky(Schauspieler/in)
Evgenia Dodina(Schauspieler/in)
Reinhard Mahlberg(Schauspieler/in)
David Krahl(Schauspieler/in)
Marco Massafra(Schauspieler/in)
Sven Prietz(Schauspieler/in)
Christiane Roßbach(Schauspieler/in)
Felix Strobel(Schauspieler/in)
Hans Platzgumer(Komponist/in)

Spielzeiten

Samstag, 22. April 2023 (Premiere / Uraufführung)

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