Kunst kann die Herausforderungen der Welt alleine nicht lösen, kann aber Teil einer Lösung sein – kann Fragen stellen, kann Raum für Begegnung und respektvolles Miteinander sein, kann Ungesehenes sichtbar, Leises hörbar, Unverständliches spürbar machen, kann respektvoll und solidarisch sein.” Olaf Kröck, Intendant der Ruhrfestspiele
Unter dem Motto „Rage und Respekt“ haben der Intendant der Ruhrfestspiele Olaf Kröck und sein Team das Programm der Ruhrfestspiele 2023 vorgestellt. Sie laden zu einem internationalen, politisch motivierten, genreübergreifenden und erstklassig besetzten Theaterfestival, das Kultur für alle bieten und Zugangsschwellen weiter abbauen will. Internationale Schauspiel- und Tanzproduktionen, richtungsweisende deutschsprachige Inszenierungen, Literatur, Neuer Zirkus und Kinder- und Jugendtheater stehen dabei im Zentrum. Multidisziplinäre Performanceproduktionen, bildende Kunst sowie Diskursformate beleuchten relevante politische Fragen. Ein Musik- und Kabarettprogramm rundet das Programm ab.
Das Programm der Ruhrfestspiele 2023 wird durch die vielfach ausgezeichnete Autorin und Übersetzerin Anne Weber eröffnet. Ihre Literatur lotet die Möglichkeiten des Erzählens für die Gegenwart aus. „Ich denke, wir schulden den Gelebt-Habenden etwas, was sich vielleicht so zusammenfassen lässt: Wir dürfen sie nicht für unsere Zwecke, seien es literarische oder ideologische, missbrauchen, wir müssen uns bemühen, ihnen gerecht zu werden“, so Anne Weber in einem Interview.
Die Eröffnungsinszenierung ist die Deutschlandpremiere „Drive Your Plow Over the Bones of the Dead“, eine Koproduktion mit Complicité nach dem Roman von Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk in der Regie von Simon McBurney. Mit Kathryn Hunter als Janina Duszejko steht eine der großen Schauspielerinnen Großbritanniens im Zentrum der Inszenierung. Besonders freuen sich die Ruhrfestspiele, dass Olga Tokarczuk ihren Besuch des diesjährigen Festivals zugesagt hat. Sie wird im Gespräch ihren neuen Roman „Empusion“ vorstellen und mit „Übungen im Fremdsein“ besondere Einblicke in ihre Schreibwerkstatt geben.
Am Tag nach der Eröffnung präsentieren die Ruhrfestspiele die letzte Regiearbeit des Theatermagiers Peter Brook: „Tempest Project“, ein Theaterstück hervorgegangen aus einer Recherche zu „The Tempest“ von William Shakespeare. Im Zentrum des Spielplans stehen zudem politisch motivierte Inszenierungen wie „Pah-Lak“ von Abhishek Majumdar, eine Koproduktion mit dem Tibet Theatre und dem Tibetan Institute of Performing Arts Dharamsala, die als Europapremiere gezeigt wird, die Uraufführung „AND NOW HANAU“ von Tuğsal Moğul und nicht zuletzt als Gastspiel vom Thalia Theater „Der Wij“ in der Regie von Kirill Serebrennikov. Produktionen deutscher Theater sind u. a. „Phädra, in Flammen“ von Nino Haratischwili in der Regie von Nanouk Leopold mit Constanze Becker in der Titelrolle, die Premiere „Macbeth“ in der Regie von Roger Vontobel und „Der zerbrochne Krug“ in der Regie von Anne Lenk mit Ulrich Matthes als Dorfrichter Adam. Vom RambaZamba Theater kommt „Einer flog über das Kuckucksnest“, inszeniert von Leander Haußmann. Als weitere internationale Produktion haben die Ruhrfestspiele Isabella Rossellini mit ihrem Soloabend „Darwin’s Smile“ eingeladen.
Im Tanz zeigen die Ruhrfestspiele in diesem Jahr vier internationale Arbeiten: „Soul Chain“, choreografiert von Sharon Eyal, „Manifesto“, die neue Choreografie von Stephanie Lake aus Australien, „Nutcrusher“ von Sung Im Her als Deutschlandpremiere und „In C“, eine Einstudierung der Choreografie von Sasha Waltz mit Studierenden des Instituts für Zeitgenössischen Tanz der Folkwang Universität der Künste.
In der Literatur sind in diesem Jahr Judith Hermann, Mithu Sanyal und Christoph Ransmayr bei dem Kritiker und Moderator Denis Scheck zu Gast. Mit thematisch in den Spielplan eigebetteten Lesungen kommen u. a. die Schauspieler Paula Beer und Devid Striesow. Zudem präsentieren die Ruhrfestspiele einen Abend im Zeichen Schwarzer Gegenwartsliteratur mit afrodiasporischen Expert*innen, kuratiert von Sharon Dodua Otoo und Patricia Eckermann.
Internationale Künstler*innen und Gruppen stehen weiterhin im Zentrum des Neuen Zirkus. Der australische Circa Contemporary Circus zeigt eine neue Arbeit: „Humans 2.0“. Zudem zu Gast sind u. a. die Soon Circus Company mit „Gregarious“, „PLI“ von Inbal Ben Haim und „H O M A N“ von Collectif Malunés.
Projekte im Stadtraum sind in dieser Saison gleich zwei in Planung: „RadiOh Europa“ von Action Hero ist eine Arbeit über die Liebe. Das Künstler*innenduo Gemma Paintin und James Stenhouse hat über tausend Menschen getroffen, die ihnen in den unterschiedlichsten Sprachen Liebeslieder vorgesungen haben. In Recklinghausen laden sie die Stadtbewohner*innen in ihr mobiles Aufnahmestudio und präsentieren einen Tag lang die schönsten Liebeslieder aus allen Ländern in einer achtstündigen Live-Radiosendung. Der interaktive Audiospaziergang „Wer warst du, E.?“, das zweite Projekt im Stadtraum, ist eine Reise in die Geschichte Recklinghausens zur Zeit des Nationalsozialismus. Spielelemente aus Theater, Escape-Room, Schnitzeljagd und Rätselspiel öffnen neue Wege des Rezipierens und Erlebens von Geschichte und werden so zu einem interaktiven Teil politischer Bildung.
Im Genre Zwischenräume präsentieren die Ruhrfestspiele zudem die bildende Künstlerin Ângela Ferreira mit ihrer ersten großen Einzelausstellung. Ferreira untersucht in ihren Werken die Auswirkungen des Kolonialismus und Postkolonialismus auf zeitgenössische Gesellschaften. Zu erleben ist außerdem die neue Arbeit von Abhishek Thapar, der das Publikum zu einem außergewöhnlichen theatralen Experiment einlädt, das gängige Sichtweisen auf den Restaurantbetrieb hinterfragt.
Die Jungen Ruhrfestspiele werden auch 2023 ein ausführliches Kinder- und Jugendtheaterprogramm zeigen. Altersspezifische Vorstellungen nehmen auf die jeweilige Entwicklung der Kinder und Jugendlichen Rücksicht und bieten verschiedenste ästhetische Erfahrungen. Neben dem Sprechtheater gibt es Produktionen mit Mitmachelementen, Musik, Tanz und Akrobatik. Gleichzeitig setzt das Team zahlreiche Mach Mit!-Angebote zum sinnlichen Erleben und zur kreativen Partizipation fort.
Die Ruhrfestspiele planen eine Vielzahl weiterer Programmpunkte. Im Genre Musik sind u. a. Angela Winkler mit dem musikalisch-literarischen Abend „Brecht im Spiegel“, Matthias Brandt mit der Wort-Musik-Collage „Die Berkwerke zu Falun“ und Hauschka zu Gast. Die Ruhrfestspiele wollen zudem weiterhin mit ihrem Publikum ins Gespräch kommen. Zusammen mit dem DGB ist die Fortsetzung der Reihe „Partei ergreifen!“ als Live-Veranstaltungsreihe in Planung.
90 Produktionen mit rund 300 Veranstaltungen, davon u. a. zwei Uraufführungen, zwei Europapremieren, fünf Deutschlandpremieren und zwei Eigenproduktionen sind geplant. Die Ruhrfestspiele nutzen zahlreiche Spielstätten und beteiligen über 650 Künstler*innen aus der ganzen Welt.
Alle Produktionen der Ruhrfestspiele 2023 finden Sie im Spielplan. Weitere Informationen zum Programm und den beteiligten Künstler*innen finden Sie zudem auf der Website.
Alle Infos https://www.ruhrfestspiele.de/


