Eine Braut analysiert vor dem Traualtar die Ehe und ihr Sexualleben als einvernehmlichen Zwang. Eine Mutter möchte ihr Baby entsorgen, weil es zu wenig habgierig ist. Ein Mann irrt sich in der Wohnungstür und zieht kurzerhand in ein neues Leben ein. Eine Frau gerät in ein Streitgespräch mit ihrer Spiegelbild-App. Ein Engel kifft lieber mit den Menschen auf der Erde, anstatt sich der himmlischen Hierarchie zu unterwerfen… Surreal und überspitzt muten die Szenen an, die in der «Revolutionstrilogie» präsentiert werden. In der Tradition des Esperpento, einem bitter-ironischen Komödienstil, präsentiert der katalanische Autor Esteve Soler die westliche Gesellschaft in einem Zerrspiegel: Übersättigt, dekadent und empathielos zeigen sich hier die Erben und Erbinnen der Aufklärung – aber auch Einsamkeit und Verunsicherung lässt sich in diesem besonderen Panoptikum entdecken.
Die deutschsprachige Erstaufführung dieses hochpolitischen Stoffes inszeniert Regisseur Daniel Kunze. Der österreichische Regisseur liebt die Inszenierung Neuer Dramatik und wurde u. a. mit der Uraufführung von Björn SC Deigners «Die Polizey» zum Heidelberger Stückemarkt 2021 eingeladen. An seiner Seite zeichnet sich Sophie Leypold für Bühne und Kostüme verantwortlich. Gemeinsam mit dem Ensemble präsentieren sie Esteve Solers scharfzüngigen Szenen-Reigen mit Freude am Spiel und Mut zur Überzeichnung.
Französische Übertitel werden angeboten. Da das Stück noch keine französischsprachige Aufführung erlebt hat, hat das frankophone Publikum somit die einmalige Chance, quasi auch die französische Erstaufführung des Stücks zu erleben.


