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City X - Fragmente eines Krieges

Uraufführung/Premiere am 06. Mai 2023
In der Audioführung 'City X - Fragmente eines Krieges' wird der Schrecken des russischen Angriffs auf die Ukraine eindringlich thematisiert. Die Erzählerin Nadia schildert ihre Erlebnisse und lässt die Zuhörer die beklemmende Realität des Krieges hautnah erleben.
© Björn Klein

Erschreckende und grauenvolle Bilder kann man nur erahnen, trotzdem bleibt immer wieder das Gefühl konstanter Bedrohung. Außerdem ist mit dem Kopfhörer auch Sirenengeheul zu hören. Die Zuschauer sind zunächst außerhalb des Theaters im großen Park unterwegs, um dann in ein großes Parkhaus hinabzutauchen. Eine interessante Idee, denn sie werden von der Schauspielerin Gabriele Hintermaier angeleitet. Die Kriegswirklichkeit holt den Zuschauer wiederholt ein, lässt ihn nicht mehr los. Die Berichte aus ukrainischen Städten vermischen sich hier in beklemmender Weise mit den Erzählungen verzweifelter Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten.

Der tragische Kampf um die Unabhängigkeit einer Nation verlagert sich dabei in den Stadtraum. Eine Kriegswirklichkeit wird auf den tagtäglich erlebten Frieden projiziert. "Ich werde hoffen und glauben, dass unser Sieg und der Frieden kommen werden", sagt die Protagonistin Nadia, die das Publikum mit ihrer Stimme durch das schwach beleuchtete Parkhaus führt. Sie erklärt den Gästen auch, dass der Name Nadia eigentlich "Hoffnung" bedeutet. Die Veränderungen im Alltag einer vom Krieg gezeichneten Stadt und im Leben ihrer Bewohner können die Betrachtenden nachvollziehen.

Der parallele Erfahrungsraum, den Gernot Grünewald hier sehr subtil inszeniert, stellt das Schicksal der Betroffenen in den Fokus: "Wir sind hier zu Hause. Das ist unsere Stadt." Nadia stellt dem Publikum sogar ihren Notfallkoffer vor, in dem sich neben anderen Utensilien ihr Universitätsabschluss befindet. Der Gitterraum verdeutlicht auch die geheimnisvolle Visualisierung der Wünsche. Gabriele Hintermaier gelingt es mit ihrer suggestiven Stimme, das Geschehen lebendig werden zu lassen. Die feine Linie zwischen der Normalität des Alltags und der Brutalität des Krieges wird durchbrochen. Der Zuschauer kann dabei immer wieder einzelne Türen öffnen und nimmt so aktiv am Geschehen teil.

Die Erzählerin ist eine 77-jährige Frau, die sich weigert, ihre Heimatstadt wegen des Krieges zu verlassen. Es gibt in der Ukraine viele Frauen, die sich entschieden haben, trotz des Krieges in ihrer Heimat zu bleiben. Und alle Situationen beruhen auf wahren Begebenheiten. Man will zeigen, wie die Menschen Strategien entwickeln, um sich zur Wehr zu setzen. Sie haben Putin oft verflucht. So verdichten sich die beklemmenden Details immer mehr. Und der Zuschauer ist während der Vorstellung ständig gefordert, muss den Anweisungen der Erzählerin minuziös folgen, kommt nicht zur Ruhe.

Diese ständige Anspannung ist sicherlich gewollt, sie lässt den Betrachter nicht mehr los. Die Menschen müssen lernen, in dieser Absurdität zu überleben. Dazwischen ertönen immer wieder grelles Sirenengeheul, hektische Stimmen, Schritte, Aufregung, Gelächter, Chorstimmen (Sounddesign: Marian Hepp). Man sieht hier ganz unterschiedliche Frauen, die erschöpft im Bett liegen oder sich für ihre Hochzeit vorbereiten. Die Darsteller lassen das Geschehen sehr plastisch Revue passieren.

Man sieht sogar eine orthodoxe Ikone, die vor Kerzen erkennbar wird. Durch diese Dokumentation wird die Tragödie in die künstlerische Form überführt. Und es gibt kaum dramaturgische Brüche. Die einzelnen Szenen gehen nahtlos ineinander über. Durch die permanente Entfernung vom Theaterraum ergibt sich für den Zuschauer aber eine neue Situation. Er muss erst lernen, damit umzugehen (Komposition: Daniel Sapir).

Mitwirkende

Luda Tymoshenko(Autor/in)
Gabriele Hintermaier(Schauspieler/in)
Inessa Demchenko(Schauspieler/in)
Varvara Denysiuk(Schauspieler/in)
Valeria Diadiukh(Schauspieler/in)
Yuliia Dzhola(Schauspieler/in)
Vitalii Kamskov(Schauspieler/in)
Inna Kerusova(Schauspieler/in)
Iryna Movsumova(Schauspieler/in)
Iuliia Myroniuk(Schauspieler/in)
Valentina Serhieviev(Schauspieler/in)
Volodymyr Serhieviev(Schauspieler/in)
Olha Sushko(Schauspieler/in)
Mariia Svynar(Schauspieler/in)
Valentyna Uliasheva(Schauspieler/in)
Daryna Zinova(Schauspieler/in)
Iryna Zamora(Schauspieler/in)
Marian Hepp(Sounddesign)
Daniel Sapir(Komponist/in)

Spielzeiten

Samstag, 06. Mai 2023 (Premiere / Uraufführung)

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