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Giselle

in Opernhaus Düsseldorf
Uraufführung/Premiere am 11. Juni 2023
In seinem Bericht "De l'Allemagne" erzählt Heinrich Heine von den mythischen Wilis, Geisterfrauen, die vor ihrer Hochzeit gestorben sind und Männer in den Tod ziehen. Diese Geschichte inspirierte die Neuinterpretation des klassischen Balletts "Giselle" durch Demis Volpi, die den Fokus auf die weiblichen Protagonistinnen legt und aktuelle gesellschaftliche Themen aufgreift.
© Bettina Stöß

In der Urfassung verlieben sich Albrecht und Giselle ineinander. Giselle weiß nicht, dass Albrecht ein Prinz und mit Bathilde verlobt ist. Bathilde und Giselle begegnen einander und freunden sich an. Trotz ihrer gesundheitlichen Schwäche tanzt Giselle exzessiv. Als sie von Albrechts wahrer Identität erfährt, verzweifelt sie und bricht tot zusammen. Giselle wird in den Reigen der Wilis aufgenommen. Hilarion, der in Giselle verliebt war, wird von den Wilis zum Tanz gezwungen und stirbt an Erschöpfung. Dieses Schicksal weiß Giselle für Albrecht zu verhindern.

Volpi startet mit einer Bühnengeschichte auf der Bühne: Bathilde und ihr Verlobter Albrecht erscheinen nach einer Theateraufführung mit einem Blumenstrauß auf der Bühne, um den Aufführenden zu huldigen. Zwar bleiben die drei Grundmotive - Betrug und Standesunterschiede, Giselles Krankheit und ihre Freude am Tanz, die Welt der Wilis – erhalten, aber Demis Volpi legt den Fokus mehr auf die beiden zentralen Frauengestalten, Giselle und Bathilde. Inspiriert hat ihn dazu auch das eindrucksvolle Buch "The Hours" von Michael Cunningham, das auf der Grundlage von Virginia Woolfs Roman "Mrs. Dalloway" drei Frauengeschichten aus drei Zeitebenen kunstvoll miteinander verknüpft und sich äußerst sublim mit gleichgeschlechtlicher Liebe beschäftigt. Diese Sublimität findet sich auch in der angedeuteten intimen Annäherung zwischen Giselle und Bathilde wieder.

Der zweite Akt wird komplett aus der Perspektive der gealterten Bathilde erzählt, die auf ihr Leben zurückblickt, Emotionen mit Erinnerungen verwebt und über verpasste Möglichkeiten reflektiert. Die Wilis werden zu geschlechtslosen Wesen und werden hier von Frauen und Männern in Tutus scheinbar schwerelos schwebend getanzt. Die Ballettpraxis, in der die Frauen die Hauptrolle spielen und Männer als Hilfskräfte fungieren, wird hier etwas ausgehebelt oder vielmehr ausgeglichen, denn in Volpis Version der "Giselle" müssen die beiden männlichen Protagonisten, Hilarion und der gockelhafte Albrecht, mit ihrem patriarchalen Gehabe zugunsten einer weiblichen Sichtweise zurücktreten.

Furios tanzt Doris Becker die Bathilde und auch Futaba Ishizaki als Giselle überzeugt ebenso wie Daniele Bonelli als Albrecht. Beim Publikum fand diese Neuinterpretation und die überragende Leistung des Balletts enthusiastischen Beifall.

Mitwirkende

Demis Volpi(Choreografie)
Adolphe Adam(Komponist/in)
Mark Rohde(Musikalische Leitung)
Heike Scheele(Bühnenbild)
Katharina Schlipf(Kostümbild)
Bonnie Beecher(Lichtdesign)
Maurice Lenhard(Dramaturgie)
Demis Volpi(Choreografie)
Mark Rohde(Musikalische Leitung)
Christoph Stöcker(Musikalische Leitung)
Heike Scheele(Bühnenbild)
Katharina Schlipf(Kostümbild)
Bonnie Beecher(Lichtdesign)
Maurice Lenhard(Dramaturgie)
Futaba Ishizaki(Schauspieler/in)
Doris Becker(Schauspieler/in)
Daniele Bonelli(Schauspieler/in)
Damián Torío(Schauspieler/in)
Angelika Richter(Schauspieler/in)
Lina Emilie Göke(Schauspieler/in)
Rose Nougué-Cazenave(Schauspieler/in)
Virginia Segarra Vidal(Schauspieler/in)
Yoav Bosidan(Schauspieler/in)
Neshama Nashman(Schauspieler/in)
Lara Delfino(Tänzer/in)
Norma Magalhães(Tänzer/in)
Marié Shimada(Tänzer/in)
Courtney Skalnik(Tänzer/in)

Spielzeiten

Sonntag, 11. Juni 2023 (Premiere / Uraufführung)

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