Mit "Ein Sportstück" (1998) gewann Elfriede Jelinek als Dramatikerin weltweite Anerkennung: Die Nobelpreisträgerin untersucht das Massenphänomen Sport und benutzt es als Metapher für alle übersteigerten Anstrengungen, die wir Menschen in den kapitalstarken Industrienationen unternehmen, um schön, stark und „in“ zu bleiben – und sei es nur zu Hause vor dem Bildschirm. Jelinek beschreibt wortfulminant und bittersüß-eloquent den Sport als die Vorbereitung der Massen für den Krieg.
Die wenigen Figuren neben den griechischen Chören heißen „Mann“, „Frau“, „Das Opfer“ oder auch das alter Ego der Autorin „Elfi Elektra“ – einst sprach man von einer bitteren Komödie. Und das ist es auch: Da trifft der Sportlersohn auf die Mutter, die ihn verloren zu haben glaubt und heftig darüber mit dem Chor debattiert. Da reflektieren Chor – bestehend aus Marburger Bürger*innen zwischen 15 und 85 – und Chorführer*innen über Rechtspopulist*innen. Da trifft die Schlagersängerin auf griechische Mythologie und Arnold Schwarzenegger wird vom Thron des ewigen Bodybuilding-Idols geschubst.
Ein Spektakel. Ein Event. Mit mäandernden, klugen Texttiraden und speziellen, aber durchaus spektakulär anmutenden Show-Momenten. Wie können wir der von Jelinek vermuteten Verbindung zwischen Sport und Krieg, Masse als Macht für etwas Zerstörerisches entkommen? Wie dieser tradierten Logik etwas entgegenstellen? Auch eine friedliche Revolution ist eine Bewegung.


