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Der Untertan

in Maxim Gorki Theater
Uraufführung/Premiere am 15. Dezember 2023
Das Berliner Stadtschloss steht wieder! Die Denkmalomanie, die die deutsche Kaiserzeit prägte, findet ihren krönenden Abschluss in der Gegenwart.
© Esra Rotthoff

Nachdem Wilhelm II. den Thron bestiegen hatte, wählte er 1888 das Schloss zu seinem Wohnsitz. Sein größter und treuster Follower? Neben den heutigen privaten Geldgebern aus der rechten Szene, Diederich Heßling, der Protagonist von Heinrich Manns 1918 veröffentlichtem Roman Der Untertan. Die Adaptions- und Rezeptionsgeschichte des Romans ist lang. Nicht nur, dass die Veröffentlichung des Romans am Vorabend des ersten Weltkrieges gestoppt wurde und der Roman 1933 namentlich genannt dem Feuer der Nationalsozialisten auf dem heutigen Berliner Bebelplatz übergeben wurde, auch Wolfgang Staudtes DEFA-Verfilmung von 1951 musste im rauen Wind des Kalten Kriegs mit der westdeutschen Zensur kämpfen.

Ist der Roman explizit eine Mentalitätsgeschichte des Kaiserreichs, eine Geschichte der öffentlichen Seele unter Wilhelm II, gingen die Intentionen des Filmes noch weiter. Regisseur Staudte interessierte sich nach dem Ende des zweiten Weltkriegs zwar auch für den kaisertreuen Diederich Heßling, aber vielmehr noch für den psychologischen Ursprung des Faschismus. Als eine übergreifende Metapher dieser Zeit dient in Heinrich Manns Roman die Figur des Schauspielers. Und da es in Wirklichkeit und im Gesetz weder den Herrn noch den Untertan gibt, erhält das öffentliche Leben einen Anstrich schlechten Komödiantentums. Neben dem Verweis auf die konstruierte Ebene von Macht, für deren Inszenierung der Kaiser bekannt war, schaut Heinrich Mann auch kritisch auf seine eigene Rolle als Künstler, als Weiser und Narr, der ein Wissender ist, aber zugleich zu schwach ist, sein Wissen gesellschaftlich fruchtbar zu machen. Ein kalter Wind weht über den Theaterplatz in Netzig, bevor Diederich Heßling mit seiner Frau eine Wagner-Oper besucht.

Regisseur Christian Weise, bestens vertraut mit dem Schwindel des Theaters und seinem Komödiantentum, inszeniert Der Untertan als Moritat, als Erzähllied eines Bänkelsängers und seiner Truppe, die früher oft auf Straßen, Plätzen oder Jahrmärkten aufgetreten sind. Seit den 1930er Jahren ist diese Form zunehmend in Vergessenheit geraten – Let’s bring it back!

Mitwirkende

Julia Oschatz(Bühnenbild)
Josa Marx(Kostümbild)
Lane Schäfer(Kostümbild)
Jens Dohle(Komponist/in)
Falk Effenberger(Komponist/in)
Ernst Schießl(Lichtdesign)
Valerie Göhring(Dramaturgie)
Tim Freudensprung(Schauspieler/in)
Via Jikeli(Schauspieler/in)
Marta Kizyma(Schauspieler/in)
Catherine Stoyan(Schauspieler/in)
Till Wonka(Schauspieler/in)

Spielzeiten

Freitag, 15. Dezember 2023 (Premiere / Uraufführung)

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