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Die Suche nach dem Verlorenen - Fundbüro

in Opernhaus Stuttgart
Uraufführung/Premiere am 21. Januar 2024
Das Publikum wird an einen merkwürdigen Ort geführt, an dem Verlorenes aufbewahrt wird. Der Antrieb der Menschen, etwas Vermisstes zu suchen, steht dabei im Zentrum. Eine Utopie vom Glauben daran, dass das Verlorene wiedergefunden wird, wird aufgezeigt.
© Matthias Baus

Die einfallsreiche Ausstattung entführt die Zuschauer in ein geräumiges Fundbüro, das angeblich schon seit sehr vielen tausend Jahren existiert. Unter der musikalischen Leitung haben die Opernstudio-Mitglieder ihre eigene Musik mitgebracht. Die Playlist dieses obskuren, aber durchaus sympathischen Fundbüros kann sich sehen und hören lassen. Von Rafael Alberti und Carlos Guastavino ist "Se equivoco la paloma" zu hören - gefolgt von "El pano moruno" von Manuel de Falla, wo Einflüsse des französischen Impressionismus und von reizvollen Volksrhythmen hervorblitzen.

Nach diesen aufpeitschenden Rhythmen gewinnen "Cancion de las simples cosas" von Armando Tejada Gomez und Cesar Isella sowie "Hua fei hua" von Huang Zi und Bai Juyi immer stärkere Intensität. Auch die einfühlsam musizierte "Morgenstimmung" aus der Peer-Gynt-Suite Nr. 1 von Edvard Grieg besitzt hier viele Klangfarben. Das pastorale Thema der glasklaren Atmosphäre des Gebirges strahlt harmonisch hell auf. Die große dynamische Steigerung bleibt nicht aus. Von James Agee und Samuel Barber erklingt "Knoxville: Summer of 1915" op. 24 und von Henrik Ibsen/Edvard Grieg ist "Ich sperrte zu mein Paradies" aus der Serenade op. 23 zu hören.

Die rhythmisch prägnanten Themen werden subtil ausgeleuchtet. Mit al-fresco-Figurationen überzeugen "Die säuselnden Zephyrwinde" von Antonio Vivaldi. "Der Doppelgänger" aus dem "Schwanengesang" von Franz Schubert entfaltet aufgrund der raffinierten Verfremdungseffekte eine besondere Dämonie. Auch "Tomaszow" von Julian Tuwim und Zygmunt Konieczny entführt die Zuhörer in neuartige klangliche Gefilde: "Wie wär's, wenn wir, mein Liebster, noch einmal für einen Tag nach Tomaszow fahren würden?" Auch der restliche musikalische Reigen passt sich den szenischen Gegebenheiten an. "Es war alles schon vorherbestimmt" von Marco Luberti und Riccardo Cocciante sowie "Die Frühlingszeit" von Ralph Vaughan Williams zeigen starke Nähe zum Volkslied. Auch der Walzer Nr. 15 für Klavier von Johannes Brahms besitzt feurige Glut. "Ist es kalt im Wasser?" mit Cecile Believe und Sophie sowie "Anoche" von Arca werden von den Mitgliedern des Opernstudios auch szenisch wirkungsvoll umgesetzt.

Wunderbar abgestuft und dynamisch vielschichtig erklingt noch "Come Again" von John Dowland. Zuletzt scheint das Fundbüro tatsächlich die Kontrolle über das Geschehen zu verlieren. "Gute Nacht, Fundbüro" lautet die Devise, nachdem der Teppich entrollt wurde. Besondere Erwähnung verdienen noch die begleitenden Musiker. So gewinnt die Atmosphäre des Fundbüros hier immer poetischere Züge und nimmt die Zuschauer auf eine ungewöhnliche Reise in verschiedene Klangwelten mit.

Die letzte Viertelstunde im Stück wird kein Wort mehr geredet, nur noch gesungen. Und das Fundbüro bleibt Fiktion. Menschliche Emotionen machen sich auch bemerkbar, als ein Dieb Gestohlenes zurückbringt oder wenn sich zwei Frauen intensiv begegnen. Primavera kommt und entwickelt ein wissenschaftliches Interesse am Fundbüro. Es ist zudem eine verhinderte Liebesgeschichte von zwei Menschen, die nicht die beiden füreinander sind, die sie unter anderen Gesichtspunkten gewesen wären. Eine vorübergehende "Love Story" ist aber nicht ausgeschlossen. Begeisterung und "Bravo"-Rufe für diese "musikalische Expedition" von MEMBRA.

Mitwirkende

Alma Ruoqi Sun(Sänger/in)
Itzeli Jauregui(Sänger/in)
Joseph Tancredi(Sänger/in)
Jacobo Ochoa(Sänger/in)
Alexander Myrling(Sänger/in)
Ui-Kyung Lee(Musikalische Leitung)
Shawn Chang(Bühnentechnik)
Thilo Ruck(Bühnentechnik)
Reto Weiche(Bühnentechnik)

Spielzeiten

Sonntag, 21. Januar 2024 (Premiere / Uraufführung)

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