Thebens neuer König Kreon lässt Eteokles deshalb feierlich bestatten, Polyneikes’ Bestattung wird jedoch allen Thebaner:innen unter Todesstrafe verboten. Seine Nichte Antigone missachtet dieses Gesetz und begräbt Polyneikes. Kreon lässt sie verhaften und stellt sie zur Rede. Warum hat sie sich ihm, dem Herrscher, widersetzt? „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da“, entgegnet ihm Antigone. Für sie kann Kreons menschliches Gesetz niemals Zeus’ göttliches Bestattungsgebot außer Kraft setzen. Auch Prinz Haimon hadert mit seinem Vater. Ist Kreon sicher, dass er zum Wohle des Volkes entscheidet und nicht zu seinem eigenen? Kreon möchte ihnen kein Gehör schenken und stürzt damit seine Familie in die Katastrophe.
Sophokles fragt in seiner Tragödie von 442 v. Chr. nach dem Recht des Einzelnen auf Widerstand gegen staatliche Vorgaben. Wo sind die Grenzen der Selbstbestimmung des Individuums und wo die Grenzen der Staatsgewalt?
Übersetzung und Bearbeitung von Heinz Oliver Karbus


