Marivaux, der Komödienautor des frühen 18. Jahrhunderts, hat ein höfisches Lustspiel geschaffen, das sich bei genauerer Betrachtung als radikales Experiment am offenen Herzen der beteiligten Opfer entpuppt. Charmante Szenen über jugendlichen Narzissmus und die Naivität der ersten Liebe verbergen einen sadistischen Kern dieser Versuchsanordnung.
Marivaux heute aufzuführen bedeutet, dass man das grausame Experiment weiterdenkt – einschließlich der ethischen Fragen, die bis in die Gegenwart aktuell sind.
Ein gelangweilter Fürst wettet: Wird sich bei den seit ihrer Geburt vollständig isoliert aufgezogenen jungen Menschen beim ersten Anblick einer Person des anderen Geschlechts dieses sonderbare Gefühl namens „wahre Liebe“ einstellen oder doch nicht? Was wird passieren, wenn noch andere schöne, liebenswerte Menschen in die paradiesische Zweisamkeit platzen?
Ähnlich wie beim Shakespeare’schen Sommernachtstraum geraten die verzauberten Paare aneinander und kräftig durcheinander. Eigentlich sollte es ja eine Komödie werden. Aber das Experiment nimmt einen anderen Verlauf …