Kaum eine mythische Figur der Theater- und Literaturgeschichte fasziniert von jeher so sehr wie Medea. Die Geschichte der aus ihrer Heimat geflohenen Königstochter, die über magische Kräfte verfügt und sich mitsamt ihrer Familie erst aus Liebe zu Jason, dann aus Rache ins Unheil stürzt, vereint zahlreiche Widersprüche. Auch deshalb regt sie seit fast zweieinhalbtausend Jahren – seit ihrer bekannten Darstellung in Euripides’ Tragödie – immer wieder zur Neubetrachtung in den Künsten, zu Revidierungen und Neuerzählungen an.
Tom Lanoyes zeitgenössische Fassung des berühmten Mythos verbindet Versmaß und moderne Sprache, bewahrt die Archaik des Ursprungs und holt die Tragödie dennoch ins Heute, ohne dabei an thematischer Komplexität einzubüßen.
aus dem Flämischen von Rainer Kersten


