Alle wissen das, nur Lady wird die Wahrheit verschwiegen. Nun liegt Jabe im Sterben, und Lady führt den Laden allein weiter. In diese Kleinstadt-Hölle lässt Tennessee Williams seinen modernen Orpheus hinabsteigen: Val Xavier, ein charismatischer junger Sänger, ein Außenseiter, der in Ladys Geschäft als Aushilfskraft anheuert und Lady die Möglichkeit eines neuen Lebens eröffnet. Der Versuch, aus dieser bigotten, fremdenfeindlichen Welt auszubrechen, scheint jedoch von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Williams zeigt in seinem Drama die zerstörenden Mechanismen einer Gesellschaft, die von Fremdenhass geprägt ist und erzählt damit eine Geschichte, die sich nach wie vor in ähnlicher Form allerorten und zu allen Zeiten wiederholt:
„Es ist dieselbe alte, immer gleiche Geschichte – die von Außenseitern, Unangepassten, Fremden, sensiblen und speziellen Menschen, die an einem an sich schon verlorenen und menschenfeindlichen Ort leben und zusammentreffen, oder vom Schicksal dorthin verschlagen werden. Diese Geschichte muss sich nicht nur in einer Kleinstadt in den Südstaaten der USA zugetragen haben, sondern kann sehr ähnlich genauso in einem Bergtal in den Alpen, als Jagdszene in Niederbayern, im Westen Irlands oder in der russischen Taiga, weit weg von Moskau, passieren … Und ihr zentrales Element, nämlich der zerstörerische und unauflösbare Konflikt zwischen dem freiheitssuchenden Einzelnen und der ihn ausgrenzenden oder in der Vereinnahmung auslöschenden ‚Gemeinschaft‘ aller anderen um ihn, ist Bestandteil unzähliger literarischer oder dramatischer Werke. Ich selbst habe schon viele davon inszeniert und auf der Bühne erzählt – ist es doch auch ein autobiographischer ‚Kampf‘, den ich führe, seit ich denken kann, insofern fühle ich mich Tennessee Williams von allem Anfang an verbunden.“ – Martin Kušej
Deutsch von Wolf Christian Schröder


