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Elektra

Uraufführung/Premiere am 19. April 2024
In dieser suggestiven Inszenierung von Peter Konwitschny spielt die Axt die Hauptrolle. Klytämnestra übt Rache an ihrem Mann Agamemnon wegen des Opfers ihrer Tochter Iphigenie, während Elektra ihren Bruder Orest zum Mord an der Mutter und deren Geliebten Aegisth benutzt.
© Martin Sigmund

Peter Konwitschny wählt gleich zu Beginn einen ungewöhnlichen Weg - er lässt die Kinder den brutalen Vatermord in der Badewanne mitansehen. Elektra übt gemeinsam mit dem Bruder grausame Rache an der Mutter Klytämnestra, die von Orest schließlich erschossen wird. Elektra hilft mit dem Beil nach. Im Hintergrund tickt riesenhaft die große elektronische Uhr. Der Himmel verwandelt sich in ein dunkles Weltall, ein Sternenzelt voller ungeheurer Geheimnisse. Elektra verzichtet zuletzt auf ihren mänadischen Tanz, liegt erschöpft am Boden. Im Hintergrund erkennt man ein gewaltiges Feuerwerk, hört pausenlos das Rattern von Maschinengewehren. Zwischendurch sieht man den blutüberströmten Leichnam Agamemnons aus dem Bad steigen, den der Schauspieler eindringlich darstellt. Ein verblüffender Einfall. Er berührt sogar Klytämnestra, die mit Elektra eine furchtbare Auseinandersetzung hat.

Schon als 17-jähriger Primaner hatte Richard Strauss einen Chor aus der "Elektra" des Sophokles vertont und aufgeführt. 25 Jahre später komponierte er dann die stark mit der Psychologie spielende Neufassung Hugo von Hofmannsthals "frei nach Sophokles". Im Jahre 1909 wurde das Werk in Dresden uraufgeführt. Trotz kleinerer szenischer Schwächen kann diese packende Inszenierung auch in der szenischen Leitung überzeugen. Elektra ist hier tatsächlich besessen von ihrem toten Vater. Musikalisch lässt Cornelius Meister das Staatsorchester voller Glut und Leidenschaft aufspielen, wobei die komplizierte motivische Arbeit nie zu kurz kommt. Man spürt, dass diese Musik innere Zustände spiegelt - so stechen der dissonante "Hass"-Akkord gleich zu Beginn und die lyrische Kantilene der Kindesliebe markant hervor.

Das musikalische Motiv, das mit dem Namen Agamemnons verbunden ist, tritt grell in den Vordergrund. Irene Theorin kann der Elektra trotz manchmal starker Vibrato-Sequenzen durchaus hochdramatisches Gewicht geben, strahlkräftige Spitzentöne werden elektrisierend und imponierend hervorgeschleudert - und auch bei den Piano-Passagen ist sie zu differenzierten dynamischen Schattierungen fähig. Mit großen Intervallsprüngen vermag sie die Zuhörer zu fesseln. Das Explosive und Unbeherrschte dieser Figur gestaltet sie sehr gut. Den Abschluss in gewaltig reinem C-Dur beschwört Meister durchaus hypnotisch. Das Agamemnon-Thema und die melodische Intensität von Elektras Kindesliebe besticht mit innerem Feuer.

Die Grenzen der Polytonalität werden bei dieser Wiedergabe immer wieder kunstvoll ausgeleuchtet. Das Fahle, Herbe und Unerbittliche der Partitur könnte zwar an manchen Stellen noch deutlicher zum Vorschein kommen, doch die gewaltigen klangfarblichen Steigerungen hat Cornelius Meister als Dirigent immer souverän im Griff. Aufgrund der gut betonten kontrapunktischen Finessen wird die Gefahr der Langeweile stets gebannt. Violeta Urmana kann der Klytämnestra mit ausdrucksvollem Mezzosopran Dämonie und Größe zugleich geben, während Simone Schneider in hervorragender Weise den leuchtend-fraulichen Charakter der Chrysothemis herausarbeitet. Hier herrscht ein wunderbar klares Es-Dur, die kantablen Motive und geschlossenen Melodiephrasen gehen unter die Haut. Beim Schlussduett mit Elektra finden die beiden Stimmen gut zueinander. Weitere Vorzüge der Klytämnestra-Szene sind die ungeheuren Steigerungen der leitmotivischen Ausdeutung seelischer Zustände ins Unermessliche. Violeta Urmana stellt das Alptraumhafte dieser Szene in beklemmender Weise heraus. Bei ihr wirkt die Gestalt der Königin jugendlicher und trotzdem besitzen die alptraumhaften Zustände eine gespenstische Zeitlosigkeit.

Cornelius Meister lässt das Staatsorchester aber zuweilen auch voller Leichtigkeit aufspielen und unterstreicht dadurch sogar die erstaunliche Nähe zu den "Rosenkavalier"-Klängen. Im Gespräch der Mägde wird Elektras unheimliches Wesen passend charakterisiert. Die Mägde werden wandlungsfähig verkörpert. Pawel Konik verleiht der Figur des Orest ein markantes Charisma, das auch unheimliche Züge trägt. Das gleiche kann man von Aegisth sagen, den der strahlkräftige Tenor voller Intensität singt. Bei der großen Soloszene der Elektra gelingt es Irene Theorin überzeugend, die Vorgänge bei der Ermordung ihres Vaters Agamemnon noch einmal seelisch zu durchleben. Mit unheimlicher Präzision wird das Fließen des Blutes und das Schleifen der Leiche des Ermordeten ausgemalt. In langen, dichten Ketten dissonanter Akkorde erklingen die Ströme von Blut, die die Rächer vergießen sollen.

Den weitgeschwungenen Melodielinien des Siegestanzes wird Cornelius Meister mit dem famosen Staatsorchester ebenfalls ausgezeichnet gerecht. Diese Wiederaufnahme ist eine Koproduktion mit Det Kongelige Teater Kopenhagen. Viele "Bravo"-Rufe, starker Schlussapplaus.

Mitwirkende

Signe Krogh(Videodesign)
Peer Oscar Musinowski(Schauspieler/in)
Cornelius Meister(Musikalische Leitung)
Irene Theorin(Sänger/in)
Violeta Urmana(Sänger/in)
Simone Schneider(Sänger/in)
Pawel Konik(Sänger/in)
Matthias Klink(Sänger/in)
Sebastian Bollacher(Schauspieler/in)
Anna Matyuschenko(Schauspieler/in)
Lena Spohn(Schauspieler/in)
Alexander Efanov(Schauspieler/in)
Daniel Kaleta(Schauspieler/in)
Catriona Smith(Schauspieler/in)
Jenny Theisen(Bühnenbild)
Max Windisch-Spoerk(Komponist/in)
Lisa Kerlin(Dramaturgie)
Isabella Knöll(Schauspieler/in)
Alina Schaller(Schauspieler/in)
Til Schindler(Schauspieler/in)

Spielzeiten

Freitag, 19. April 2024 (Premiere / Uraufführung)

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