Leoš Janáčeks sechstes und nach »Jenůfa« wohl bedeutendstes Werk folgt in der Thematik solch literarischen Figuren wie Effi Briest oder Madame Bovary und erzählt von den psychischen Qualen einer in ihrer Ehe gefangenen Frau. Auch in »Káťa Kabanová« geht die nach Freiheit und Selbstverwirklichung drängende Titelheldin nach aussichtslosen Befreiungsversuchen an den vorherrschenden Gesellschaftszwängen und Moralvorstellungen zugrunde.
Mit dem 1921 in Brno uraufgeführten Werk, für das Janáček selbst – inspiriert von Alexander Ostrowskis russischem Drama »Das Gewitter« – das Libretto verfasste, gelang dem Komponisten ein unvergleichlich zartes und lyrisches Musiktheater. Die innige musikalische Sprache der farbig vielschichtigen Partitur drückt die Emotionen der Protagonist*innen auf das Gefühlvollste aus, während die packende Handlung eine bis heute gültige Kritik an gesellschaftlichen Ordnungsbildern formuliert.
Bereits einen Tag nach der Erstaufführung wurde »Káťa Kabanová« im Steinsaal des Deutschen Hygiene-Museums Dresden auf Tonband aufgezeichnet. Sopranistin Elfriede Trötschel, die an der Staatsoper Dresden in den 1930er und -50er-Jahren in zahlreichen lyrischen und später jugendlich-dramatischen Partien brillierte, galt zu jener Zeit als »die ideale Káťa«. Einen Eindruck von diesem »Klangschatz aus der Geschichte der Staatsoper in Dresden« vermittelt die Hörprobe auf der Stückseite zu »Káťa Kabanová« auf semperoper.de.
Am Premierenabend der aktuellen Neuproduktion erwartet das Dresdner Publikum nun mit dem ehemaligen Ensemblemitglied Amanda Majeski in der von ihr erstmals interpretierten Titelpartie sowie den Rollendebüts von Christa Mayer, Kurt Rydl, Štěpánka Pučálková, Simeon Esper, Martin Mitterrutzner und Ilya Silchuk ein ebenso aufregendes Opernerlebnis. Am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden ist der Argentinier Aléjo Perez zu Gast, der zuletzt in der Semperoper die Vorstellungsserie von Bizets »Carmen« dirigierte. Mit der Neuproduktion gibt der Musikdirektor der Opera Vlaanderen ebenfalls sein Debüt als Musikalischer Leiter von Janáčeks »Káťa Kabanová«.


