Franz Kafka ist weltweit einer der bekanntesten jüdischen Künstler, sein Verhältnis zum Judentum war zeitlebens kompliziert. Philip Glass‘ Kammeroper nach Kafkas berühmter Erzählung thematisiert eine Auseinandersetzung um eine neue Hinrichtungsmethode, bei der den ahnungslosen Verurteilten ihr Vergehen bis zum Tod am eigenen Leib erfahrbar gemacht wird.
In der Strafkolonie entstand 1914 als Reaktion auf eine Welt, in der Gewalt und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erschreckend alltäglich geworden sind – ein Thema, das heute so aktuell wie damals ist. Glass‘ Vertonung aus dem Jahr 2000 unterstreicht die Zeitlosigkeit des Stücks über die Grenzen der Gerechtigkeit und des Menschenmöglichen.
Die Inszenierung von Regisseur Martin Valdés-Stauber lässt den Darstellern und dem Text viel Platz: in einem fast leeren Raum übersetzt er Philip Glass‘ ‚Minimal Music‘ in musterhafte Bewegungen und Gesten. Die Vorstellungskraft des Publikums ist gefragt.