Mit Lust und Akribie sucht Reger in den Bildern das Unvollkommene, das Fehlerhafte, das Unfertige. Stets an seiner Seite: der Museumswärter Irrsigler, der ihm als Ansprechpartner und Sprachrohr dient. Eigentlich ist Reger der Bordone-Saal über die Jahrzehnte zum Denk- und Lesezimmer geworden. Umgeben von den Alten Meistern, inmitten der idealen Raumtemperatur und perfekten Lichtverhältnisse, durchblättert er die Bücher der Großen Geister. Im Grunde sichert ihm diese verrückte Gewohnheit das Überleben – vor allem nach dem Tod seiner Frau, der ihn die eigene Unvollkommenheit schmerzhaft deutlich spüren lässt. Und so sitzt Reger da, in der Ruhe und fernab von den Menschen, tagein tagaus, sucht die Wahrheit und findet ihre Lücke.
Thomas Bernhard erzählt in seinem 1985 erschienenen Roman diese Moritat von der liebenswürdigen Entsetzlichkeit des Menschen gewissermaßen über Bande. Reger studiert den Tintoretto und wird vom Saaldiener Irrsigler beäugt. Am Ende der Kette steht der Privatgelehrte Atzbacher, ebenfalls regelmäßiger Museumsbesucher, der die beiden dabei beobachtet. Es ist nur auf den ersten Blick eine Bernhardsche Hassrede der alten Männer und auf die Kultur des Abendlandes. Thom Luz liest darin den Wunsch nach Begegnung und inszeniert sie in einem Erinnerungsraum als assoziativ-musikalische Annäherung an das Menschengeschlecht in seinem ganzen Scheitern.

