„In jeder flüchtigen Erscheinung sehe ich Welten, voll vom Wechselspiel der Regenbogenfarben.“ Diese Gedichtzeile inspirierte Sergei Prokofjew zu seinen Visiones Fugitives, op. 22, welche Hans van Manen im Jahr 1990 als Ausgangspunkt für seine gleichnamige Choreographie diente. Voller Harmonie und Dynamik, überraschend und fesselnd, verschmelzen Bewegungen und Musik in der flüchtigen und dadurch so anziehenden Kunst des Tanzes. Eine Choreographie, die berührt und inspiriert, die keine Unterscheidung zwischen den Geschlechtern macht, die uns für einen Moment die Welt um uns herum vergessen lässt.
Abwechselnd frenetisch und ruhig, düster und geheimnisvoll, zum pulsierenden Rhythmus der Musik kommt der dreiteilige Abend mit William Forsythes Werk „Enemy in the Figure“ zu einem fulminanten Ende. Das Licht, ebenso Teil der Choreographie wie die Tanzschritte selbst, lässt den Raum explodieren oder schrumpfen, lässt Tanzende aus der Dunkelheit hervorbrechen und entwickelt eine unausweichliche Sogwirkung. Das Individuum steht im Zentrum dieser Auseinandersetzung von Hell und Dunkel, ein Werk, das in seiner Dringlichkeit und radikalen Ästhetik nichts an Modernität eingebüßt hat.


